Der Wassily Chair von Marcel Breuer – das erste Stahlrohrsitzmöbel der Welt

21.08.2014 |  Von  |  Accessoires
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Der Wassily Chair von Marcel Breuer – das erste Stahlrohrsitzmöbel der Welt
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Marcel Lajos Breuer, wie er mit vollem Namen hiess, wurde 1902 im ungarischen Pécs geboren und starb 1981 in New York. Wenngleich seine Haupttätigkeit der Architektur galt, war er doch auch ein bedeutender Möbeldesigner, dessen Name eng mit dem Bauhaus in Weimar und Dessau verknüpft ist. Berühmt wurde er als Designer vor allem mit seinem Stuhl B3, der später in Anspielung auf den Maler Wassily Kandinsky als „Wassily Chair“ genannt wurde.

Ein 1920 begonnenes Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste brach Breuer schon nach wenigen Wochen ab, um sich am Bauhaus in Weimar für eine Tischlerlehre einzuschreiben. Zu Beginn produzierte er eine Reihe von avantgardistischen Möbel aus Holz, bevor er sich neuen Materialien zuwandte. Seine Auffassung von Design prägte allerdings all seine Entwürfe: Die Objekte wurden aus formal gleichartigen Modulen mit nur geringfügigen Variationen zusammengesetzt. Dieses Prinzip verfolgte er später auch beim Stuhl B3.

Nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung wurde Breuer 1925 zum Jungmeister ernannt und übernahm die Leitung der Möbelwerkstatt am Bauhaus, dessen Sitz sich mittlerweile in Dessau befand. In diesem Jahr begann er auch mit der Gestaltung von Stahlrohrmöbeln. Dabei half ihm eine Kooperation mit den Flugzeugwerken Junkers, die in Dessau ansässig waren. Er entwarf eine Reihe von Stühlen, Hockern und Tischen, die vor allem in Büros und den Meisterhäusern in Dessau zu Einsatz kamen.

Breuer gründete zusammen mit dem ungarischen Architekten Kalman Lengyel die Firma Standard-Möbel für die Serienproduktion. Der grösste Teil seiner Entwürfe war zwar am Bauhaus entstanden, aber Breuer weigerte sich, seine Einkünfte daraus an die Hochschule abzuführen. Darüber kam es zum Konflikt mit dem Bauhaus, an dessen Ende er seine Stelle als Jungmeister kündigte. 1928 löste er auch das Unternehmen Standard-Möbel auf. Die Rechte am Design übernahm die bekannte Möbelfirma Thonet, für die er später seine ebenfalls berühmten Freischwinger-Stühle entwarf.

Nach der Machtergreifung durch die Nazis emigrierte Breuer wegen seiner jüdischen Herkunft, zuerst nach Ungarn, dann nach London und schliesslich in die USA, wo er sich fast nur noch mit Architektur beschäftigte und zahlreiche grosse Aufträge realisierte. Der Name „Wassily Chair“ für den Stuhl B3 kam übrigens erst in den 1960er Jahren auf.

 

Oberstes Bild: © Borowski – wikimedia.org

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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