Nischendasein ade – das Badezimmer ist der neue Star

29.04.2015 |  Von  |  Bad
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Nischendasein ade – das Badezimmer ist der neue Star
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Bereits zu Anfang des 21. Jahrhunderts hat sich das Badezimmer von seinem Nischendasein im Grundriss verabschiedet und ist zum heimlichen Star avanciert. Heutzutage steht ein adäquates Badezimmer sogar ganz oben auf der Liste der Wohnwünsche.

Eine Badsanierung ist allerdings nicht ganz billig, so dass schnell Kosten von 20’000 Franken und mehr entstehen. Wer das Badezimmer bei Planung und Bau des Eigenheims zum Star machen möchte, muss noch tiefer in die Tasche greifen, denn ein ganz neues Bad kann durchaus bis zu 50’000 Franken kosten.

Das Hofhalten vom Bade aus hat Tradition

Wie viele andere Adelige liebte es Félicité de Genlis (1746–1830) als Kind ihrer Zeit durchaus gesellig, und zwar auch im Bad. So erholten sich die adligen Französinnen und Franzosen schon damals von den Strapazen eines langen Tages, indem sie in eine Wanne stiegen, die aus verzinntem Kupfer gefertigt wurde. Ebenso wie heute tauchten sie ihre ausgelaugten Glieder ins heisse Badewasser und erfrischten währenddessen ihren müden Geist durch beflügelnde Gespräche über Gott und die Welt.

In ihren Memoiren beschreibt die französische Comtesse, dass sie während ihres Besuchs im Rom im Jahr 1779 jeden Abend badete. In dem Augenblick, in dem sie sich im Bad befand, wurde der Kardinal de Bernis herbeigerufen, der meist gemeinsam mit seinem Neffen erschien, und eine nahezu einstündige Konversation entspann sich. Glaubt man den Worten der Comtesse, war es unter ihresgleichen durchaus üblich, vom Bade aus Hof zu halten. Zwar waren die Badewannen damals noch mobil und der Besitz eines eigenen Badezimmers glich einer Vision der Zukunft, dennoch begann sich im 18. Jahrhundert der bürgerliche Haushalt zu entwickeln, in dem strikt zwischen privat und öffentlich sowie zwischen Wohnen und Arbeiten differenziert wurde.

Der Körperkult hat die Jahrhunderte überdauert

Über 200 Jahre und einige Entwicklungsschritte der Kulturgeschichte später werden die Wohnräume erneut durchlässig. Aufgrund des Einsatzes Neuer Medien rücken die Wohn- und Geschäftsräume wieder enger zusammen – sei es beim Abrufen der E-Mails vom Homeoffice aus, beim Online-Shopping auf der Couch oder beim Online-Banking.

Heutzutage schwinden die Grenzen zwischen Raum und Zeit. Zugleich herrscht ein ausgesprochener Körperkult, und das Verlangen nach Stärkung, Erholung und Entspannung nimmt kontinuierlich zu. Wellness heisst das Wort, das diese Entwicklung in der Moderne bezeichnet. Deshalb kommt es nicht von ungefähr, dass das Badezimmer seinen Nischenplatz im Grundriss verlässt. So wurde es in den Neubauten der Moderne zum Standard, das Bad rein funktional zu gestalten. Bei Architekten, Bauherren und auch bei den privaten Planern galt die Devise, so wenig Platz wie möglich für solch eine blanke Notwendigkeit wie das Badezimmer zu verschwenden. Dieser Trend setzte sich bis in die 1990er-Jahre mit dem Ergebnis einer durchschnittlich zwischen vier und sechs Quadratmeter grossen Nasszelle fort. Meist fristete das Bad zudem ein fensterloses Dasein und fungierte als Transitstation zwischen Wachen und Schlafen.

Das Bad avanciert zum Zimmer

Laut Experten sehen die Bäder aus diesem Grund in zahlreichen Eigenheimen alt aus – und zwar in jeder Hinsicht. Dies konstatiert auch die Autorin und Innenarchitektin Karin Rabausch, die in ihrem Werk „Bäder – Handbuch zur Planung. Design, Planungshilfen, Beispiele“ wertvolle Tipps zur Gestaltung moderner Badezimmer gibt. Zudem weisen Makler darauf hin, dass Personen, die eine Wohnimmobilie erwerben, zwangsläufig in die Sanierung des Bads bzw. dessen Gestaltung investieren müssen. Statistiken belegen, dass den meisten Käufern die Badausstattung der Vorbesitzer entweder nicht zusagt oder sie jene schlichtweg nicht akzeptieren. Wenn irgend möglich, vergrössern die neuen Bewohner den Raum auf mindestens acht Quadratmeter.


Das heimische Badezimmer avanciert zu einem regelrechten Wellnesstempel. (Bild: © PlusONE - shutterstock.com)

Das heimische Badezimmer avanciert zu einem regelrechten Wellnesstempel. (Bild: © PlusONE – shutterstock.com)


Haben die Käufer das Glück, dass eine Begrenzung der Grundfläche ihre Planungsfreiheit nicht hemmt, ist zu beobachten, dass die Bäder zu regelrechten Zimmern avancieren. Zahlreiche Anbieter von Fertighäusern haben diesen Trend bereits erkannt und zeigen ihren Kunden derweil Musterhäuser, in denen an das Badezimmer ein Fitnessraum angeschlossen ist, so dass die Räumlichkeiten weite Teile des gesamten ersten Stocks und damit die Fläche, die vormals dem Kinderzimmer galt, einnehmen. Zudem wird das Bad häufig mit dem Schlafzimmer verbunden. Rabausch konstatiert diesbezüglich jedoch, dass eine Trenntür zwischen Schlaf- und Badezimmer aufgrund des unterschiedlichen Raumklimas zweifelsohne von Vorteil sei.

Grosszügige Badezimmer statt einengender Nasszellen

Mittlerweile sind moderne Bäder grosszügig angelegt, so dass die Sanitäreinrichtungen nicht mehr dicht nebeneinandergedrängt sein müssen, um bestenfalls im hintersten Winkel noch eine Waschmaschine unterzubringen. Die Arrangements zeigen sich geräumig und das WC verschwindet entweder in einer Nische oder wird gleich in einem separaten Raum untergebracht. Im Gegenzug wird die Badewanne von zahlreichen Designern in den Blickpunkt gerückt, und zwar in der Regel so, dass der entspannungssuchende Badende einen schönen Ausblick – sei es aus dem Fenster ins Grüne oder auf den nächtlichen Abendhimmel – geniessen kann. Darüber hinaus geht der Trend eindeutig dahin, eine Badewanne für zwei zu wählen, denn dann kann ein Badezimmer weitaus mehr sein als ein notwendiger Funktionsraum. Vielmehr avanciert auch das heimische Badezimmer peu à peu zu einem Spa, ja zu einem regelrechten Wellnesstempel.

Wie bereits erwähnt, war das Badezimmer in früheren Zeiten ein Raum, der so eingerichtet war, dass er Geselligkeit zuliess. So ist es nicht verwunderlich, dass zahlreiche moderne Badentwürfe Sitzelemente wie aus den Salons adeliger Damen enthalten. Entsprechend kreieren Innendesigner mithilfe von Sitzwürfeln, Liegen, Sesseln oder gemauerten Bänken, die die Badewanne flankieren, Sitzgelegenheiten, die auch im Badezimmer ein intimes Plauderstündchen ermöglichen. Die Gestaltung moderner Bäder ist also eher wohnlich-repräsentativ: Neben meisterhaft arrangierten Accessoires dürfen auch lässig drapierte Hochglanzmagazine nicht fehlen. Zudem wird streng darauf geachtet, dass unschöne Alltagsgegenstände wie Reinigungsmittel, Duschgels und Rasierer aus dem Blickfeld verschwinden.

Mosaike liegen voll im Trend

Zweifelsohne existiert bei der Badplanung viel Raum für Extravaganzen. So besteht die Wahl zwischen Böden aus Holz oder aus Naturstein, Badewannen, die wie ein Zuber anmuten, oder Waschschüsseln, die an einen Pferdetrog erinnern. Zudem ist in modernen Badezimmern eine Abkehr von grossen Fliesen zu beobachten und die Wände sind keineswegs mehr bis unter die Decke gekachelt. Darüber hinaus liegen Mosaike voll im Trend und die Bäder werden vorrangig in warmen Farben gehalten.

Das Badezimmer besitzt einen immensen Stellenwert

Der Status des Badezimmers ist mittlerweile enorm hoch. Dies bestätigen zahlreiche Immobilienmakler, indem sie darauf hinweisen, dass auch die schönsten Wohnungen nicht mehr zu vermieten sind, wenn das Bad nicht gefällt und auch keine Möglichkeit für dessen Umgestaltung besteht. Diesbezüglich ist zudem zu beobachten, dass Familien teils noch zu Kompromissen bereit sind. Für Singles und Paare gilt dies dagegen nicht. Und auch die Generation 50plus ist sehr daran interessiert, ein modernes Bad zu besitzen oder über die Gestaltungsmöglichkeiten eines neuen Bades zu verfügen.



Ganz gleich, welche Badezimmervariante auch immer realisiert werden soll, aufgrund der recht grossen Investition wird empfohlen, die Auswahl der zum Einsatz kommenden Handwerker sorgfältig zu tätigen. Denn arbeiten die Installateure und Fliesenleger schludrig, kann man das dem neuen Badezimmer leicht ansehen. Auch sollte das Design mit Bedacht gewählt werden, denn eine Korrektur gestaltet sich nicht nur schwierig, sondern ist vor allem kostspielig.

 

Oberstes Bild: © MarishaSha – shutterstock.com


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