Historische Möbel: Der Zahnarztstuhl im Wandel der Zeit

06.07.2014 |  Von  |  Accessoires
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Historische Möbel: Der Zahnarztstuhl im Wandel der Zeit
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Möbel verschönern unser Zuhause, sind wohnlich, schick oder praktisch und verraten viel über den Geschmack, den Charakter und den Stil ihrer Besitzer. Büromöbel vermitteln Kompetenz, bieten den Mitarbeitern einen guten Arbeitsplatz und bestimmen den ersten Eindruck, den Besucher beim Betreten eines Raumes haben. Doch kein Möbelstück ruft bei den Menschen solch widersprüchliche Empfindungen hervor wie ein Zahnarztstuhl.

Zahnarztpraxen sind keine Wellness-Oasen. Sie sind praktisch, funktionell und spartanisch eingerichtet und riechen nach Desinfektionsmitteln, Abdruckmasse und Angst. Die wenigsten Patienten verbinden positive Gefühle mit dem Besuch bei einem Zahnarzt. Allein der Geruch reicht aus, um vielen Menschen den Schweiss auf die Stirn zu treiben. Meist basieren diese Ängste auf unschönen Erlebnissen in der Kindheit. Freundliche Wartezimmer mit bequemen Schwingstühlen, Bildern an den Wänden und Hochglanzmagazinen auf dem Tisch beruhigen ängstliche Patienten kaum. Das Geräusch eines summenden Hochleistungsbohrers kann bis ins Mark fahren, lässt Hände zittern und Nerven blankliegen.

Was hat eine Nähmaschine mit einem Zahnarztstuhl zu tun?

Sobald wir uns auf einen Zahnarztstuhl legen, werden Urängste frei. Dabei sind Zahnarztpraxen heute topmodern eingerichtet. Geruch und Geräusche halten sich in Grenzen und die Behandlung ist in den meisten Fällen schmerzfrei. Moderne Anästhetika und sogar Hypnosebehandlungen lassen die Patienten nichts mehr vom Bohren, Feilen und Hantieren im Mund spüren.

Wenn wir einen Blick in die Vergangenheit wagen, dann merken wir, dass es uns heute richtig gut geht. Im Mittelalter gab es noch gar keine Zahnärzte. Schmerzende Zähne wurden vom Barbier, vom Hufschmied oder bestenfalls vom Apotheker extrahiert. Zahnbehandlungen fanden unter spektakulären Bedingungen auf Marktplätzen statt und waren eine beliebte Volksbelustigung. Als Zahnarztstuhl fungierte ein einfacher Schemel, von dem der Patient nicht selten ohnmächtig herunterfiel, denn auch wirksame Betäubungsmittel gab es kaum. Gebohrt wurde nicht (womit auch?), es wurde gleich gezogen – und zwar mit Instrumenten, mit denen auch Pferde behandelt oder Nägel aus Wänden geholt wurden.

Erst mit der Technischen Revolution Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Beruf des Zahnarztes und mit ihm der Zahnarztstuhl. Die ersten fortschrittlichen Modelle verfügten über Bohrapparate mit Fussantrieb. Meist wurde hierfür eine Nähmaschine umfunktioniert. Mit diesen Bohrern konnten erstmals kariöse Zähne behandelt werden. Weil die Umdrehungen sehr langsam waren, gestaltete sich die Behandlung ziemlich schmerzhaft.




Interessante Ausstellung mit historischem Bezug in Kiel

Heutige Zahnarztstühle sind hingegen Wunderwerke der Technik. Sie bieten Patient und Zahnarzt alle Annehmlichkeiten, um die Zahnbehandlung so schonend und bequem wie möglich zu gestalten. Wer sich für die Historie der Zahnmedizin im Allgemeinen und des Zahnarztstuhls im Besonderen interessiert, sollte ruhig einen Blick über die Schweizer Grenze wagen. Noch bis Mitte Dezember 2014 gibt es in der Universität Kiel im Rahmen der pharmahistorischen Sammlung eine bemerkenswerte Ausstellung zu diesem Thema mit dem Titel „Schmerzfrei. Vom Reiz der Zahnbehandlung“.

 




Oberstes Bild: © quetton – Shutterstock.com

 

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