Kantenanleimmaschinen als Spezialisten beim umseitigen Furnieren von Spanplatten

12.01.2015 |  Von  |  Allgemein
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Kantenanleimmaschinen als Spezialisten beim umseitigen Furnieren von Spanplatten
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Wenn sich einmal ein Furnierstreifen von einem Möbelstück, Fensterbrett oder einer Arbeitsplatte gelöst hat, ist eine beschwerliche Reparatur vonnöten. Man muss den ganzen Streifen entfernen, um dann mittels Bügeleisen und Teppichmesser einen neuen anzukleben. Das Ausbessern solcher Schadstellen verweist darauf, wie aufwendig es ist, die Kanten von furnierten Spanplatten innerhalb einer Serienproduktion zu fertigen.

Mitteleuropa ist jedoch international dafür bekannt, passende Maschinentypen für jede Herausforderung entwickeln zu können. Ist einmal ein Bedarf da, machen sich Ingenieure aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien ans Werk und beenden ihre Arbeit erst dann, wenn die Lösung perfekt scheint.

Genau das passierte auch in diesem Fall. Es wurde eine Maschine entwickelt, die bei der industriellen Verarbeitung von Furnierplatten nicht mehr entbehrlich ist: die Kantenanleimmaschine. Alle Apparaturen werden so bezeichnet, welche eine dauerhafte Verkleidung mit Furnier nicht auf grösseren Flächen, sondern an den umlaufenden Kanten anbringen können.

Die Maschinen sind modular aufgebaut. Ein Grundgestell nimmt alle Module für die serielle Kantenanleimung auf. Darauf befinden sich ein Förderband oder eine Fördervorrichtung mit angetriebenen Rollen, die die ankommenden Platten von Modul zu Modul transportieren, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Aufgrund vielfältiger Einstellmöglichkeiten können die verschiedensten Platten- und Furniertypen mit der Kantenanleimmaschine verarbeitet werden. Das Furniermaterial wird als Streifen auf einer Rolle zur Verfügung gestellt. Per Führungsmechanik und Anpressrolle kann es an den gewünschten Stellen aufgebracht werden.

Im Anschluss trennt eine Schneidevorrichtung in Form einer Schlagschere mit einem nachgeordneten Kapp-Aggregat die Streifen ab, was auf den Zehntel Millimeter genau geschieht. Anstatt mit Anpressrollen arbeiten manche Modelle auch mit Riemenbändern. Ob die eine oder die andere Ausführung vorteilhafter ist, richtet sich nach der entsprechenden Anforderung. Kantenanleimmaschinen werden oft mit aufeinander abgestimmten Elektromotoren angetrieben. Teilweise sind sie auch mit pneumatischen Komponenten ausgestattet. Der Furnierstreifen wird mit Heisskleber befestigt, der besonders wasserfest ist. So wird ein Ablösen des Furniers selbst bei höherer Beanspruchung des Werkstückes verhindert. Um den Kleber idealerweise vollflächig zu verteilen, ohne dass sich Tropfen bilden, werden Rollen verwendet. Diese sind leicht zu reinigen oder zu tauschen, sodass die Schichtdicke des Klebstoffs reguliert und stets die gewünschte Qualität gewährleistet werden kann. Die betreffenden Stellen werden danach noch mit ultraviolettem Licht behandelt, was das Aushärten des Klebers beschleunigt.

Hochwertige Kantenanleimmaschinen verfügen über eine Anpressrolle, die mit einer beweglichen Mechanik versehen ist. Damit können auch ausgeformte Spanplatten mit einer komplexen Kontur vollständig und sauber mit Furnier beklebt werden.

Man kann diese Maschinen auch mit Wendestationen kombinieren. Das heisst, dass Spanplatten herumgedreht und erneut dem Produktionsprozess zugeführt werden. Auf die Weise können sie umseitig bearbeitet werden. Es ist allerdings effizienter, die Module zum Anleimen der Kanten doppelt auszulegen. Derart konfigurierte Maschinen sind zwar teurer, aber wesentlich leistungsfähiger. Besonders für Serienfertigungen eignen sich allseitig arbeitende Kantenanleimmaschinen. Sonderanfertigungen, Einzelstücke oder gegebenenfalls Kleinserien produzierende Tischlereien erzielen mit einer einseitig arbeitenden Apparatur sehr gute Ergebnisse.


Spanplatten sind weder reparierbar, noch kann man sie auf sinnvolle Art wiederverwerten. (Bild: © Aksenenko Olga - shutterstock.com)

Spanplatten sind weder reparierbar, noch kann man sie auf sinnvolle Art wiederverwerten. (Bild: © Aksenenko Olga – shutterstock.com)


Die Prozedur, eine Kante mit einem Furnierstreifen zu bekleben, ist bei normalen 90°-Winkeln einer Platte verhältnismässig einfach. Echte Herausforderungen gibt es beim Anleimen von Kanten von konvex ausgeformten Werkstücken oder bei Elementen, die stufenförmig ausgesägt sind. Solche Aufgaben sind mit einer normalen Kantenanleimmaschine nicht lösbar.

Für radiale oder konvex ausgebildete Kanten wird die sogenannte „Softforming-Maschine“ genutzt. Diese ist fast baugleich wie eine Kantenanleimmaschine. Lediglich die Anpressrollen, welche den Furnierstreifen nach dem Auftragen von Kleber an die Kante drücken, sind austauschbar. Sie können an das Radiusprofil der Kante angepasst werden. Ausserdem bestehen sie aus Weichgummi, der den Anpressdruck optimal verteilt. Ihren Namen erhielt die Maschine aufgrund ihrer weichen Rollen.

Um gestufte Kanten zu bearbeiten, verwendet man Postforming-Maschinen. Die Mechanik zum Anpressen des Furnierstreifens ist bei denen ganz besonders ausgeklügelt. In mehreren Stufen wird das Furnier erst gefalzt, dann gebogen, angeklebt und gepresst, bis die Kante vollflächig und ihrem Profil gemäss beklebt ist. Einsatzgebiete dafür bieten sich bei Türzargen, Türen, Fensterrahmen oder den Einfassungen von Fenstern.

Kantenanleimmaschinen werden in Fertigungsstrassen auch mit Profilfräsen kombiniert. Letztere bearbeiten die Kante zuerst im gewünschten Profil und bereiten sie für die Beklebung mittels der Kantenanleimmaschine vor. Diese Prozesse bedürfen hoher Sorgfalt und einer feinen Abstimmung. Denn einerseits muss die Kante für das Bekleben geeignet sein, weshalb das reine Abfräsen regulär nicht ausreicht. An den Fräsvorgang schliessen sich das Entgraten, Schleifen, Polieren und Reinigen an. Dazu wurden Profilziehklingen entwickelt, welche eine Kante in etlichen kleinen Schritten so nachbearbeiten, dass das nachfolgende Furnieren problemlos und qualitativ gleichbleibend möglich ist.

Die Reinigungsmodule an einer Fertigungsstrasse zur Spanplattenverarbeitung müssen immer gut gewartet sein und einwandfrei funktionieren. Spanplatten sind nämlich weder reparierbar, noch kann man sie auf sinnvolle Art wiederverwerten. Solch eine Platte ist deshalb nach der kleinsten Beschädigung schon Ausschuss und muss aussortiert werden. Überstehende Klebereste oder Splitter vom Fräsprozess, die im Furnier stecken, sind bei der Serienfertigung ein wichtiger Hinweis auf Fehler in den Reinigungsmodulen. Sie sollten stets im Blick gehalten werden. Eine intelligent geplante Fertigungsreihe vermag recht schnell eine grosse Anzahl an Spanplatten zu verarbeiten, jedoch werden Arbeitskräfte nur bedingt eingespart. Was an manuellen Tätigkeiten nicht mehr ausgeführt werden muss, fällt stattdessen beim Warten und Instandhalten der Maschinen sowie bei der Qualitätssicherung an.

 

Oberstes Bild: © I T A L O – shutterstock.com

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