Arbeitsplatte einbauen wie die Profis – so geht’s

12.12.2019 |  Von  |  Küche, Living, Möbelpflege
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Heisse Töpfe, Bratenfette, Kerben durch das Messer, frisch umgezogen oder einfach nur Lust, wieder einmal die Küche zu erneuern. Die Gründe für eine neue Küchenarbeitsplatte sind gross. 

Um diese zu erneuern, ist aber nicht unbedingt ein Küchenmonteur von Nöten. Mit etwas Zeit und Geschick ist diese Arbeit relativ leicht selbst zu erledigen.

Dimensionen bestimmen

Im ersten Arbeitsschritt für die neue Küchenarbeitsplatte werden die Masse genommen. Dies sollte jedoch erst dann geschehen, wenn alle Küchenschränke exakt ausgerichtet sind, denn schon kleine Verschiebungen, können im Nachhinein zu grossen Problemen führen. Viele Küchenschränke bieten daher die Möglichkeit der festen Wandmontage mittels Stockschrauben. Alternativ ist auch die Verschraubung der Korpusse untereinander möglich. Hierzu werden Schrankverbinder genutzt.

Längen-, Breiten- und Tiefenmasse der Küchenschränke sollten auf einer ordentlich gezeichneten Skizze vermerkt werden. Zu Beachten sind hier Unebenheiten in der Wand. Diese können gerade bei Altbauten mehrere Millimeter betragen und so später zu grösseren Spalten führen. Es werden hierfür die maximalen Masse benommen. Später werden Unregelmässigkeiten mit der Stichsäge an der Arbeitsplatte ausgeglichen. Bei Eckvarianten zeichnet man in die Skizze zusätzlich die Gehrung mit exaktem Winkel ein. Ein Winkel kann mithilfe einer Schmiege leicht ermittelt werden. Für die Tiefe der neuen Arbeitsplatte sollten etwa ein bis zwei Zentimeter Überstand einkalkuliert werden.

Hinweis: Die Schmiege wird auch als Winkelschmiege oder Stellschmiege bezeichnet. Gern wird auch der Zollstock umgangssprachlich als Schmiege bezeichnet, was aber falsch ist. Diese beiden Werkzeuge sollten nicht miteinander verwechselt werden.

Arbeitsplatte zuschneiden

Für das Zuschneiden der Arbeitsplatte ist der Fachhandel zu empfehlen. Dieser bietet zumeist unentgeltlich den Zuschnitt auf die notwendige Länge an. Gegen Aufpreis kann man sich oft auch die Aussparungen für die Küchenspüle und Herdplatte aussägen lassen. Dies setzt jedoch ein sehr genaues ausgemessen voraus.

Hinweis: Die Arbeitsplatte einbauen in eine Nische, ist nicht mit einem normalen Arbeitsplatteneinbau zu vergleichen. Ist links und rechts eine Wand, sollte nicht genau auf das gemessene Mass der Nische zugeschnitten werden. Zum einen arbeitet Holz minimal und benötigt somit etwas Platz um sich dehnen können. Zum anderen ist das Kippmass der Arbeitsplatte zwingend zu beachten. Das Kippmass ist das Mass der Breite der Arbeitsplatte vom oberen linken Punkt der Arbeitsplatte zum unteren rechten Punkt. Dieses diagonale Mass muss kleiner sein, als die gemessene Breite. Andernfalls wird die Platte nicht in die Nische passen und sich verkeilen.



Anpassung des Wandverlaufs

Der nächste Arbeitsschritt ist das Anpassen der Arbeitsplatte an den Wandverlauf. Angefangen wird immer mit der Breite. Anschliessend wird die Tiefe der Arbeitsplatte bearbeitet. Zum besseren Anzeichnen wird an den betroffenen Seiten breites Kreppband auf die Arbeitsplatte geklebt und auf diesem angezeichnet. Bearbeitet wird die Arbeitsplatte mit einer Stichsäge oder einem Elektrohobel. Genutzt werden dabei stets neue Stichsägeblätter. Auch der Elektrohobel sollte eine scharfe Schneidkante aufweisen, um eine optimale Schnittfläche zu erhalten, und einreissen zu verhindern.

Aussparungen zuschneiden

Ist das Ausschneiden für Spüle und Herd zu teuer oder ist man sich mit den genauen Massen unsicher, so ist das Ausschneiden zuhause zu empfehlen. Die Arbeitsplatte wird hierfür in ihre neue Position gebracht und mit einigen wenigen Schrauben, an den Korpus befestigt. Die Korpusse verfügen hierzu schon über Bohrungen, durch die von unten die Arbeitsplatte fest mit den Korpussen verschraubt werden kann. An den vorbestimmten Positionen der Spüle und des Herds kann daraufhin mit breitem Kreppband grob der Umriss abgeklebt werden. Hierbei kann ruhig etwas üppig mit dem Kreppband umgegangen werden, sodass man genügend Spielraum für das Anzeichnen des Abschnittes hat.

Nach Erledigung dieses Schrittes werden nun die Spüle und der Herd mit der Oberseite nach unten auf die späteren Positionen der Arbeitsplatte gelegt. Zu beachten ist, dass die Arbeitsplatte absolut sauber ist, um eine Beschädigung der Bauteile zu vermeiden. Mittels Zollstock und Winkel kann die exakte Position beider Bauteile, in Übereinstimmung mit dem Korpus, ermittelt werden.

Anschliessend werden die Aussenmasse der Spüle und des Herds auf das Kreppband gezeichnet. Beide Einzelteile können hinterher wieder beiseite geräumt werden. Auf dem Kreppband sind sodann die Aussenmasse ersichtlich. Zur Hilfe sollte dies auf jeden Fall vermerkt oder farblich markiert werden, um später ein sägen an den falschen Linien zu verhindern. Von diesen Kanten muss daraufhin das Mass nach innen bestimmt werden. Sowohl Spüle, als auch Herd haben zumeist eine innere Kante. Das Mass Aussenkante zur inneren Kante wird daraufhin auf das Kreppband gezeichnet. Das Ergebnis ist ein Viereck in einem kleineren Viereck. Das kleinere Viereck wird nachfolgend ausgesägt.

Für das Aussägen wird die Arbeitsplatte am besten auf mehrere Böcke gestellt. Ist der Platz vorhanden, so kann die Arbeitsplatte auch in der Öffnung der Korpusse geschnitten werden. Aufgepasst werden sollte dabei jedoch, dass mit der Stichsäge nicht in die Korpus-Wand gesägt wird.

Bevor das eigentliche Aussägen beginnt, werden alle vier Eckpunkte ausgebohrt. Der Bohrer sollte dabei leicht grösser sein als das Sägeblatt der Stichsäge. Aufgesetzt wird der Bohrer leicht nach innen versetzt, sodass das Bohrloch in der Ecke mit den Innenmassen des Ausschnitts abschliesst und nicht grösser als dieser wird. Das Endergebnis soll ein Rechteck bzw. Quadrat mit abgerundeten Ecken sein. Ziel ist es einen genauen Eckpunkt mit der Stichsäge zu verhindern. Ein solcher Eckpunkt wäre ein Schwachpunkt der Arbeitsplatte, eine Keilwirkung könnte an so einem Punkt eintreten und damit wäre ein Reissen der Platte möglich.

Nacheinander werden daraufhin aus den Eckpunkten heraus die Schnitte geführt. Zwei Personen dazu sind hilfreich, alternativ sollten Schraubzwingen zum Einsatz kommen. Dies ist hilfreich, um einer Hebelwirkung vorzubeugen, damit der Ausschnitt nicht plötzlich von selbst heraus reisst und die Platte massgeblich beschädigt. Auch aufstützen auf die Arbeitsplatte sollte zum Wohle der Platte tunlichst vermieden werden. Die Arbeitsplatte ist durch den Ausschnitt geschwächt. Ist die Platte auf Holzböcken zugeschnitten worden, ist diese hochkant zu ihrer neuen Position zu transportieren, da so das Gewicht besser verteilt wird. Wird die Platte in ihrer späteren Position, also mit der Arbeitsseite nach oben getragen, ist ein Durchbrechen der Platte durch ihr Eigengewicht möglich.

Dichtband anbringen

Auf die Arbeitsplatte wirkt oft Wasser ein, seih es von herunterlaufendem Wasser, heissem Wasserdampf aus der Spülmaschine oder Dampf aus dem Herd. Offene Schnittflächen sind hier stark gefährdet, aufquellen wäre der mögliche Schaden. Aus diesem Grund werden auf die offen Schnittflächen Schutzfolien aus selbstklebender Aluminium- Glasgewebe geklebt, sogenannte Arbeitsplattenversiegelung. Auch die vordere Kante der Arbeitsplatte auf der Unterseite wird an der Position des Geschirrspülers und des Ofens mit dieser Folie beklebt. Ein Überstand nach links und rechts von zwei bis drei Zentimeter ist ratsam.

Arbeitsplatte einbauen

Die Arbeitsplatte einbauen ist nun im Handumdrehen erledigt, da die Unterschränke schon mit einander oder mit der Wand verbunden sind. Die Platte wird in Position gebracht und komplett mit den Korpussen verschraubt.

Leisten anbringen

Der letzte Arbeitsschritt besteht darin, die Übergänge zwischen Platte und Wand zu verkleiden. Die auf Länge zugeschnitten Trägerprofile der Leisten, werden mithilfe von Schrauben auf der Platte befestigt. Anschliessend werden die Deckprofile aufgedrückt. Da beim Kochen immer etwas Wasser daneben fliessen kann, müssen die Leisten mit ihrer Dichtfläche exakt auf der Arbeitsplatte sitzen. Nur so wird verhindert, dass Wasser und Co. hinter die Arbeitsplatte laufen.

Spezialfall Eckplatte

Läuft die Küchenarbeitsplatte über Eck, so müssen die einzelnen Arbeitsplatten verbunden werden.


Handwerker hält eine eckige Küchenarbeitsplatte

Arbeitsplatten auf Eck können mit unterschiedlichen Möglichkeiten miteinander verbunden werden. (Bild: ungvar – shutterstock.com)


Hierfür gibt es vier Möglichkeiten:

  1. Ein Eckstück wird eingesetzt, an das beide Platten anstossen
  2. Zusammenfügen der Arbeitsplatten mit einem 45 Grad Gehrungsschnitt
  3. Die Platten stossen direkt aneinander, dabei überbrückt es ein Verbindungsprofil
  4. Spezieller Plattenzuschnitt in dem sich die eine Arbeitsplatte in die andere einfügt

In allen Fällen werden dabei von unten Arbeitsplattenverbinder eingesetzt. Mithilfe dieser werden beide Platten zusammengefügt und fest verbunden. Zwingend notwendig ist es, hier Dichtmittel zwischen die Flächen zu bringen, damit keine Flüssigkeit zwischen die Platten dringen kann. Hierfür wird spezielles Küchensilikon verwendet, welches der Fachhandel in verschiedensten Farben anbietet.

 

Titelbild: Anna Andersson Fotografi – shutterstock.com


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