Aufforstung von Menschen für Menschen: Bäume pflanzen, Flut verhindern

16.09.2021 |  Von  |  Presseportal

Zürich/ Fogera (ots) –

Plötzlich stehen Häuser knietief unter Wasser und die Aussaat ist vernichtet: Für äthiopische Kleinbauern sind die Fluten in der jährlichen Regenzeit eine existenzielle Bedrohung. Schuld an den Überschwemmungen ist die Vernichtung von Wald. In einem einzigen Bezirk Äthiopiens pflanzt Menschen für Menschenjetzt eine Million Bäume.

Rund 60 Waldbäume gibt es pro Einwohner in der Schweiz. Der Wald nimmt laut dem Verband der Waldbesitzer sogar zu – jährlich um eine Fläche so gross wie der Thuner See. Weltweit herrscht ein anderes Bild: Seit der Mensch Ackerbau betreibt, hat er 46 Prozent des ursprünglichen Waldbestandes vernichtet. In jüngster Zeit beschleunigt sich dieser Verlust. Jedes Jahr geht ein halbes Prozent des weltweiten Waldes verloren.

„In Afrika ist dafür die Armut verantwortlich“, sagt Kelsang Kone, Geschäftsführer bei Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe Menschen für Menschen. „Die wachsende Bevölkerung braucht Ackerland, Bau- und Brennholz. Die Menschen sehen keine andere Möglichkeit, als Bäume einzuschlagen.“ Zwar sind in Äthiopien immer noch rund 170″000 Quadratkilometer mit Wald bedeckt. Das sind 15 Prozent der Fläche des riesigen Landes. Doch weil es keine nachhaltige Forstwirtschaft gibt, wird der Wald stetig dezimiert, laut Zahlen der Weltbank um jährlich 0,4 Prozent.

Im Bezirk Fogera am Tana-See pflanzt Menschen für Menschen gemeinsam mit den Kleinbauernfamilien nun eine Million Bäume. Zum Vergleich: In der gesamten Schweiz gibt es rund 535 Millionen Waldbäume. „Wir pflanzen gerade an landschaftlich neuralgischen Punkten“, betont Kelsang Kone, „nämlich an Hängen und in sogenannten Gullys.“

Regen schwemmt fruchtbaren Boden ab

In der Regenzeit gibt es heftige Wolkenbrüche. 125 Liter Niederschlag pro Tag und Quadratmeter sind keine Seltenheit. Aufgrund der Waldverluste in den vergangenen Jahrzehnten schiessen die Wassermassen häufig ungebremst von Blattwerk und Baumwurzeln zu Tal. Sie schwemmen fruchtbaren Boden ab und reissen „Gullys“ in die Landschaft – Gräben, die oft mehr als fünf Meter breit und viele hundert Meter lang sind. Bei jedem Starkregen werden sie breiter und tiefer. In den Talebenen sammelt sich das Wasser und verursacht dort grossflächige Überschwemmungen.

Der globale Klimawandel verstärkt diese Entwicklung. Die Regenzeit setzt nicht mehr so regelmässig ein wie in früheren Jahren: Sie wird unberechenbar für die Bauern, manchmal säen sie zu früh. Auch werden die Niederschläge tendenziell heftiger und zerstörerischer.

Das Projekt von Menschen für Menschen in Fogera am Tana-See wirkt nun gegen den Bodenabtrag an den Hängen und gegen die Flut im Tal. Angeleitet von den Experten der Äthiopienhilfe errichten die Bauern in den Erosionsgräben Quermauern aus Drahtkörben als Bollwerk gegen das Wasser. Dann werden die Grabenseiten und -ränder aufgeforstet. Die Baumsetzlinge verhindern bei künftigen Niederschlägen den weiteren Verlust von Mutterboden.

Hoffnung in der Heimat

Im Dorf Mintura zieht sich ein Gully durch das Feld von Zigale Mulat. „Die Sorgen machten mich fertig“, erzählt der Vater von drei Kindern. „Der Graben frass sich in jeder Regenzeit weiter in mein Land. Ich hatte immer weniger Ackerfläche. Und in drei oder vier Jahren hätte sich der Gully bis an mein Haus herangearbeitet – zum Glück können wir das jetzt verhindern.“

880 Familien, die in der Talebene leben und deren Felder in der Regenzeit 2020 überflutet wurden, erhielten als Nothilfe leistungsfähiges Saatgut von Teff. Dieses äthiopische Getreide keimt schnell und versprach eine Ernte in der verkürzten Saison nach der Flut. „Ohne diese Hilfe hätten wir Hunger und Krankheit erleben müssen“, sagt Bauer Birhanu Assefa, 38. „Wir hätten die Heimat verlassen und in die Stadt flüchten müssen. Aber nun konnten wir Hoffnung schöpfen und auf unserem Hof bleiben.“

„Obwohl die Menschen in Äthiopien kaum etwas zu den Treibhausgasen beitragen, leiden sie unter dem globalen Klimawandel“, sagt Kelsang Kone. Jeder Einwohner in Äthiopien produziert nur hundert Kilogramm Treibhausgase pro Jahr. In der Schweiz sind es mit 4,73 Tonnen fast fünfzig Mal so viel. „Deshalb ist es auch eine Frage der Gerechtigkeit, die armen Familien in Äthiopien mit menschengemachten Naturkatastrophen nicht allein zu lassen.“

Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

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