Der Einsatz von Furnieren in der Möbelindustrie – Teil 2: Vom Blatt zum Produkt

03.03.2015 |  Von  |  Allgemein
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Der Einsatz von Furnieren in der Möbelindustrie – Teil 2: Vom Blatt zum Produkt
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Spanplatten, Leimbinder und preiswerte Weichhölzer lassen sich mit Furnieren zu hervorragenden Produkten veredeln. Die auf diese Weise hergestellten Platten verbinden die Vorteile ihrer Ausgangstoffe. Die preiswerten Werkstoffe für den Kern der furnierten Platten sind leicht und gut zu bearbeiten.

Sie müssen schliesslich umfassend gefräst, gesägt und gebohrt werden, bevor sie als Bauteil für ein Möbelstück eingesetzt werden können. Die Furniere haben neben der Aufwertung der Optik einer preiswerten Platte die Aufgabe, sie für einen jahrelangen Einsatz tauglich zu machen.


Dies ist ein Bericht in 2 Teilen:

Der Einsatz von Furnieren in der Möbelindustrie – Teil 1: Vom Stamm zum Blatt

Der Einsatz von Furnieren in der Möbelindustrie – Teil 2: Vom Blatt zum Produkt


Furnierhölzer sind wesentlich härter als ihre Kernmaterialien und sind zudem wasserdicht. Sie lassen sich hervorragend schleifen, polieren und versiegeln. Die Kombination aus preiswerter Kernplatte und hochwertigem Furnier ist deshalb eine ideale Ergänzung beider Augangsmaterialien.

Im ersten Teil wurde der Weg des Furniers vom Stamm zum Blatt erklärt. In diesem zweiten Teil wird der Prozess der weiteren Verarbeitung von Furnieren beschrieben.

Nachdem die Blätter zugeschnitten, getrocknet und geglättet wurden, können sie ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden. Die Kernplatte und das Furnierblatt werden vollflächig mit einem Klebstoff benetzt und anschliessend dauerhaft miteinander verbunden. Die Maschinen, welche dazu zum Einsatz kommen, nennt man Etagenpressen. Diese bestehen aus mehreren übereinander angeordneten Heizplatten. Sie können durch diese Etagenbauweise zahlreiche Furnierplatten auf einmal verarbeiten. Dies macht die Etagenpressen sehr effizient. Auf jede Heizplatte wird eine Furniertafel abgelegt. Anschliessend fahren die Heizplatten unter hohem Druck zusammen und werden mit Wärme belegt. Wärme und Druck erzeugen durch den verwendeten Kleber eine dauerhafte Verbindung zwischen Furnier und Platte.

Die so entstandene Platte ist jedoch nur an der Ober- und Unterseite vollflächig mit Furnieren beklebt. Die Kanten sind noch ungeschützt.

In einer normgerechten Grösse vorliegend, werden die Platten zunächst zu den gewünschten Grössen zurechtgeschnitten. Dazu kommen herkömmliche, aber hochwertige Kreissägen zum Einsatz. Statt der von Baustellen bekannten Kreissägen, welche für den Zuschnitt von Schaltafeln, Brettern und Kanthölzern eingesetzt werden, kommen in der Möbelindustrie hauptsächlich Formatkreissägen zum Einsatz. Diese äusserst präzise arbeitenden Maschinen sind die hochwertigeren Varianten der Maschinen von der Baustelle. Mit zahlreichen Komfortfunktionen ausgestattet, können Formatkreissägen bereits eine hohe Bearbeitungstiefe erreichen.

Radien und komplexe Konturen werden in der Verarbeitung von Spanplatten mit Fräsen gefertigt. Die Bandbreite der verfügbaren Fräsen ist sehr gross. Von als Oberfräse ausgeführten Handgeräten bis zu komplexen Maschinen in der Serienfertigung sind alle Baugrössen und Komfortstufen verfügbar.


Spanplatten, Leimbinder und preiswerte Weichhölzer lassen sich mit Furnieren zu hervorragenden Produkten veredeln. (Bild: © Taurus - shutterstock.com)

Spanplatten, Leimbinder und preiswerte Weichhölzer lassen sich mit Furnieren zu hervorragenden Produkten veredeln. (Bild: © Taurus – shutterstock.com)


Bohrstationen sind bei der Herstellung von Möbelplatten sehr wichtig. Sie arbeiten die Bohrungen zur Aufnahme von Spannschlössern, Gewindefassungen und Verbindungszapfen ein. Um auch bei Serienprodukten eine gleichbleibende Qualität und vor allem höchstmögliche Präzision zu erreichen, werden dazu hauptsächlich Bohrautomaten eingesetzt. Diese arbeiten wiederholgenau und bis auf den zehntel Millimeter präzise die gewünschten Bohrungen in die Platten ein.

Ein Sonderfall kann bislang noch nicht mit Furnieren hergestellt werden. Unregelmässige Konturen auf der Fläche, wie sie bei Deckenplatten verwendet werden, sind bislang noch nicht mit Furnieren herstellbar. Möchte man eine aufwändig gestaltete Platte dieser Art herstellen, musste man sie bis vor kurzen aus Vollmaterial herausfräsen. Das macht diese Platten sehr teuer und zudem sehr schwer. Mit Hilfe einer Vakuumpresse kann dies heute wesentlich preiswerter durchgeführt werden. Dazu wird die gewünschte Struktur aus Kunststoff, Leichtholz oder Hartschaum ausgefräst oder im Spritzgussverfahren hergestellt. Für die Beschichtung werden aber keine Furniere, sondern Folien aus Kunststoff verwendet. Die Folie wird frei in einen Rahmen eingespannt und anschliessend über das Werkstück gestülpt. Im nächsten Schritt wird die Luft aus dem Zwischenraum zwischen Werkstück und Folie abgesaugt. Die Folie senkt sich vollständig auf alle Konturen des Werkstücks ab und wird mit Kleber dort festgehalten. Ist die Folie mit einer Holzoptik versehen, erreicht man ein Ergebnis, das dem Furnieren sehr nahe kommt.

Die Kanten von Furnierplatten werden mit Kantenanleimmaschinen verklebt. Normale 90°-Kanten können ebenso einfach mit Furnieren verklebt werden wie radial oder stufenförmig ausgeformte Kanten. Dazu sind jedoch Spezialmaschinen notwendig. Konvexe oder konkave Kanten werden mit Softformingmaschinen umleimt, bei stufenförmigen Kanten kommen Postformingmaschinen zum Einsatz.

Schliesslich wird die fertig bearbeitete Platte noch geschliffen und poliert. Dies erzeugt auf der Platte eine gleichmässige und glatte Oberfläche, welche frei von vorstehenden Splittern ist. Dies macht die Verwendung von fertig bearbeiteten Möbelplatten so angenehm. Zu diesem Zweck stehen viele Maschinen bereit, welche Furnierplatten seriell und in gleichbleibender Qualität schleifen und polieren können.

Ist eine Platte vollständig gefräst, gebohrt, furniert, geschliffen und poliert, muss sie vor der Abstapelung noch gefinisht und gereinigt werden. Das Bohren und Fräsen von Spanplatten verursacht viel Schmutz, welcher nur teilweise durch Absauganlagen entfernt werden kann. Bevor ein furniertes Werkstück verpackt werden kann, muss deshalb sichergestellt werden, dass keine Reststpäne oder Stäube mehr anhaften. Erreicht wird dies mit speziellen Reinigungsanlagen.



Nach dem Reinigen werden Furnierplatten der Montage zugeführt oder verpackt und weiter verschickt. Hier werden bevorzugt automatische Anlagen eingesetzt. Diese sind belastbarer und in der Handhabung zuverlässiger als manuelle Arbeitskräfte.

Fertig montiert, haben Möbelstücke aus Furnierholz heute eine ebenso lange Lebensdauer wie viele preiswerte Vollholzmöbel.

 

Oberstes Bild: © Carlos andre Santos – shutterstock.com

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