Designklassiker: Diese Kultstücke sollten Sie kennen
von J. Florence Pompe Inspirationen
Es gibt Möbelstücke von Designern, die so beliebt geworden sind, dass man sie weltweit kennt. Oft erzielen sie auch noch nach Jahrzehnten hohe Preise im Verkauf. Wir stellen wichtige Kultstücke vor.
Sie sollten einige der Design-Klassiker kennen, falls Sie beim Entrümpeln oder beim Spaziergang über den Flohmarkt mal ein solches Stück sehen. Es ist für Laien nicht direkt erkennbar, dass man direkt vor einem Schätzchen steht. Manche Designs haben sich auch so durchgesetzt, dass man sie für völlig alltäglich hält. Dennoch hat vor Jahrzehnten mal ein begabter Designer die Idee zu diesem Stück gehabt.
Was macht ein Möbelstück denn zum Kultdesign-Stück? Auf diese Fragen würden bekannte Designer verschiedene und sehr hintergründige Antworten geben. Aber falls Sie Laie sind und einfach mal unvoreingenommen die Designstücke anschauen, so werden Sie feststellen, dass sie einiges gemeinsam haben:
Das Design ist meist scheinbar „einfach“ also sehr reduziert, aber stimmig und harmonisch und die Stücke sind oft sehr funktional konzipiert. Kultmöbel begeistern deshalb die Fachwelt, weil sie natürliche Formen haben und wie selbstverständlich in die Welt gestellt wirken. Doch der Weg bis ein Stück so vollendet wirkt, ist weit.
Wir stellen die wichtigsten Design-Möbelstücke der letzten 100 Jahre vor.
Designklassiker, die Geschichte schrieben
Eames Lounge Chair und Ottoman
Entworfen von Charles und Ray Eames im Jahr 1956 für Herman Miller. Dieses ikonische Stück ist bekannt für seinen eleganten und zeitlosen Stil.
Barcelona Chair – zeitlos schön
Entworfen von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich im Jahr 1929 für den deutschen Pavillon der Weltausstellung in Barcelona. Der Stuhl zeichnet sich durch sein bis heute modernes Design und seine markante Lederpolsterung aus.
LC2 und LC3-Sessel von Le Corbusier
Entworfen von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand in den 1920er Jahren. Diese Sessel sind bekannt für ihre kubistische Formgebung und wurden zu Symbolen des modernen Designs.
Wassily Chair – gebogene Raffinesse
Entworfen von Marcel Breuer im Jahr 1925, war der Wassily Chair einer der ersten Stühle, der aus gebogenem Stahlrohr gefertigt wurde. Sein minimalistisches Design und seine innovative Konstruktion machen ihn zu einem Klassiker.
Tulip Chair – schlank und elegant
Entworfen von Eero Saarinen im Jahr 1956 für Knoll. Diese Stühle sind bekannt für ihre organische Formgebung und ihren schlanken Stil. Eindeutig sieht man, dass das einzelne Stuhlbein dem Stuhl die Optik einer schmalen, hohen Tulpe verleiht.
Egg Chair – perfekt und formvollendet
Entworfen von Arne Jacobsen im Jahr 1958 für das Radisson Blu Royal Hotel in Kopenhagen. Der Egg Chair ist bekannt für seine einladende Form und sein innovatives Design. Das Besondere an ihm ist der Wohlfühlfaktor, er hat nicht nur diese Ei-Form, man fühlt sich darin auch so wohl und geborgen wie ein Küken im Ei.
Ghost Chair – durchscheinend mystisch
Entworfen von Philippe Starck im Jahr 2002 für Kartell. Dieser transparente Stuhl aus Polycarbonat ist bekannt für seine moderne Erscheinung und seine Vielseitigkeit in verschiedenen Einrichtungsstilen.
Den Ghost Chair gibt es in verschiedenen Pastellfarben, nur in Schwarz ist er nicht mehr durchsichtig.
Noguchi Coffee Table – formvollendet geschwungen
Entworfen von Isamu Noguchi im Jahr 1944. Dieser Tisch ist bekannt für seine organische Formgebung und sein zeitloses Design. Seine geschwungene Form hat viele andere Designs in den 50er und 60er Jahren inspiriert.
Panton Chair – einzigartiges Plastikkonstrukt
Entworfen von Verner Panton im Jahr 1960. Der Panton Chair war einer der ersten Stühle, der aus einem einzigen Stück Kunststoff hergestellt wurde und ist bekannt für seine futuristische Formgebung.
Bauhaus-Möbel: Schlicht und geradlinig
Eine Vielzahl von Möbeln, die von den Künstlern und Designern der Bauhaus-Bewegung entworfen wurden, darunter Walter Gropius, Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe und viele andere. Diese Möbel zeichnen sich durch ihre Funktionalität, Einfachheit und innovative Verwendung von Materialien aus. Schlicht, geradlinig und funktional.
45 Chair von Finn Juhl
Dieser Stuhl wurde tatsächlich 1945 entworfen und gilt als Meisterwerk. Der Zwischenraum zwischen Rahmen und Sitzfläche gibt ihm eine schwebende Optik. Bis heute ist der Klassiker gefragt und wird in Eiche oder Nussbaum mit Textil- oder Lederbezug gefertigt.
Bugholz Stuhl von Michael Thonet
Dieser Stuhl ist schon älter als 100 Jahre, er wurde bereits in den 1850er Jahren erfunden durch den deutsch-österreichischen Möbelschreiner Michael Thonet und gilt als „Revolution im Stuhlbau“. Denn er wurde aus massivem Buchenholz mithilfe von Dampf gebogen.
Es wurde der typische Wiener Kaffeehausstuhl, der nachgiebig und bequem ist, weniger starr als andere Holzstühle. Erfahren Sie mehr über den Bugholzstuhl!
Roly Poly Chair von Eva Toogood
Der „Roly Poly“ gehört zu den jüngeren Kindern der Designklassiker. Die britische Designerin Faye Toogood hatte die Idee zu diesem Design als sie schwanger war und einen bequemen Stuhl suchte. Seine Beine erinnern an stabile Elefantenbeine. Die runde Form repräsentiert den runden Schwangerschaftsbauch. Die weichen Kanten sind kinderfreundlich. Das erste Exemplar bestand aus Fiberglas, die neueren Modell gibt es in sehr ausgefallen Materialien wie Kristallglas oder Silbernitrat.
Wishbone Chair – braucht 100 Arbeitsschritte
So selbstverständlich und zurückhaltend sich uns dieses Design präsentiert, so aufwendig ist es jedoch in der Herstellung. Inspiriert vom Ming-Stuhl entwarf Hans Wegner 1949 den „Wishbone Chair“ oder „CH24“. Es gibt ihn bis heute nur exklusiv bei Carl Hansen & Søn. Auch bei diesem Modell muss das Holz mit Dampf gebogen werden. Die Rückenlehne und Armlehnen sind eins, das namengebende Y gibt der Konstruktion Halt. Für den handgeflochtenen Sitz sind 120 Papierkordeln eingearbeitet.
Womb Chair – wie ein Korb voller Kissen
Diesem Design sieht man sein Alter auch nicht an: Der „Womb Chair“ von Eero Saarinen wurde bereits 1949 entworfen. Inspiration war der Wunsch von Florence Knoll nach einem Stuhl, der einen Korb voller Kissen nachbilden sollte. Der Designer brauchte für seinen Entwurf die Hilfe eines Bootsbauers aus New Jersey, der die Konstruktion aus Fiberglas und Harz erstellte. Die zeitlose Form bietet heute vielerlei Nutzungsmöglichkeiten mit viel Platz für die Arme, das Notebook, Tablets, Bücher.
Monobloc Chair – als Gartenstuhlklassiker jedem bekannt
Diesen Stuhl kennt wohl jeder. Es ist heute der klassische, einfache stapelbare Gartenstuhl aus Kunststoff. Er war in den 1970ern vom französischen Ingenieur Henry Massonnet entworfen. Heute wird er in verschiedensten Varianten aus Polypropylen in einem Stück gegossen.
Insbesondere das Spritzgussverfahren war revolutionär und ebnete den Weg vom einfachen Möbelstück zum Massenphänomen.
Welche der Designstücke kannten Sie bereits und welche davon haben Sie besessen? Berichten Sie gerne darüber in den Kommentaren.
Titelbild: Chaosamran_Studio – shutterstock.com