Negative Space - der geheime Trick der Einrichtungsprofis

Haben Sie sich schon mal gewundert, warum manche Einrichtungen so stylisch wirken und die eigene nie, egal, was man anstellt?

Das Geheimnis könnte der Negative Space sein.

Negative Space – einfach Raum lassen

In der Kunst und im Grafikdesign ist der Begriff „Negative Space“ wohlbekannt, aber auch in der Wohnungseinrichtung kann dieses Konzept Wunder wirken. Einrichtungsprofis arbeiten ständig damit. Der Negative Space macht nämlich erst das Wohlgefühl in einer Einrichtung aus und ist das Geheimnis, warum manche Einrichtungen direkt stylisch wirken, andere nicht.

Dabei spielt der Einrichtungsstil an sich überhaupt keine Rolle! Ja, es ist tatsächlich egal, ob man sich im Scandi-Chic einrichtet oder gute alte Erbstücke im 50er Jahre Stil wählt oder irgendeinen anderen Stil – wichtig ist nur überall ein wenig Platz zu lassen und freie Flächen.

Negative Space bezieht sich auf den leeren Raum, der um und zwischen den Möbeln und Dekorationselementen in einem Raum vorhanden ist. Dieser „leere“ Raum ist keineswegs unbedeutend. Wenn man ihn richtig einsetzt, kann er eine Wohnung nicht nur optisch grösser und aufgeräumter wirken lassen, sondern auch ein Gefühl von Harmonie und Balance schaffen.

Negative Space beschreibt den bewussten Einsatz von Freiraum, der den Blick auf die wesentlichen Möbel oder Dekoelemente lenkt. Es geht darum, dass nicht jeder Zentimeter eines Zimmers gefüllt sein muss! Und genau das fällt vielen Nichtprofis sehr sehr schwer. Über die Jahre hat man ja viele Gegenstände angesammelt.

Leider kommen auch tolle Stücke kaum zur Geltung, wenn andere Dinge zu nah dran stehen. Stattdessen sollte Raum gelassen werden, damit das Auge „ruhen“ kann und ein angenehmes Gesamtbild entsteht. Oftmals kann jede durchschnittlich eingerichtete Wohnung mit strategisch platziertem negativen Raum moderner, luftiger und eleganter wirken.


Ein Zimmer, das bei jedem Wohgefühl auslöst, weil viel Negative Space vorhanden ist. (Bild: Rudy Uman – shutterstock.com)

Tipps zur Nutzung von Negative Space in der Wohnungseinrichtung

1. Weniger Möbel – mehr Raum

Ein überladenes Zimmer wirkt schnell chaotisch und eng. Wählen Sie daher Möbelstücke sorgfältig aus und überlegen Sie, welche Elemente wirklich nötig sind. Der Verzicht auf überflüssige Möbel schafft negative Räume, die das Zimmer offener und strukturierter erscheinen lassen. Anstatt viele kleine Möbel zu verwenden, entscheiden Sie sich lieber für ein paar grössere, auffällige Stücke, die Platz zum Atmen haben.

2. Lassen Sie Wände frei

Nicht jede Wand muss dekoriert werden! Ein häufig gemachter Fehler bei der Einrichtung ist es, Wände mit Bildern, Spiegeln oder Regalen zu überladen. Durch den bewussten Verzicht auf zu viele Wanddekorationen bleibt mehr Freiraum für das Hauptmöbelstück, wie etwa ein Sofa oder ein Sideboard. Ein bis zwei Kunstwerke oder ein einzelner Spiegel können effektvoller sein, wenn sie von leeren Wänden umgeben sind.


Der Einrichtungsstil spielt keine Rolle. Hier haben wir antike Möbel, die mit Negative Space schön arrangiert wurden. (Bild: Rudy Umans – shutterstock.com)

3. Nutzen Sie Teppiche als Begrenzung

Ein Teppich kann helfen, den Raum zu strukturieren und gleichzeitig Negative Space zu erzeugen. Platzieren Sie Ihre Möbel so, dass sie nicht komplett den Teppich bedecken, sondern von etwas freiem Boden umgeben sind. Dieser Trick lässt die Möbel besser zur Geltung kommen und schafft einen luftigen Eindruck.

4. Spiel mit Licht und Schatten

Auch Licht kann als Element des Negative Space verwendet werden. Grosse Fenster, die natürliches Licht einlassen, schaffen das Gefühl von mehr Raum und lenken den Blick auf die freien Flächen im Raum. Schaffen Sie gezielt Schatten durch Vorhänge oder Lichtquellen, können Sie bestimmte Bereiche hervorheben und gleichzeitig negative Räume betonen.


Klassische Möbel, die mit viel Platz schön zur Geltung kommen. (Bild: Artazum – shutterstock.com)

5. Pflanzen und Dekoration strategisch einsetzen

Überlegen Sie genau, wo Sie Dekoration und Pflanzen platzieren. Anstatt eine ganze Fensterbank mit Pflanzen vollzustellen, wählen Sie ein bis zwei grössere Pflanzen, die Raum für sich beanspruchen. Negative Space lässt die Pflanzen als Gestaltungselemente wirken, anstatt dass sie in einer Masse untergehen.

6. Freiraum um Möbel schaffen

Achten Sie darauf, Möbel nicht zu nah an Wände zu stellen. Ein kleiner Abstand, beispielsweise hinter einem Sofa, kann Wunder bewirken. Diese Lücke sorgt dafür, dass der Raum luftiger wirkt, und lässt das Möbelstück leichter erscheinen.

7. Multifunktionale Möbel verwenden

Möbel mit Mehrfachfunktion, wie ein Bett mit Stauraum oder ein ausziehbarer Tisch, helfen dabei, den Raum flexibel zu nutzen und überflüssige Möbel zu vermeiden. Durch den gezielten Einsatz solcher Möbelstücke können Sie negativen Raum schaffen und den Raum gleichzeitig funktional halten.


Vollgestopfter Raum ohne Negative Space. (Bild: Anna Stills – shutterstock.com)

Das Geheimnis von Wohlfühleinrichtungen

Der Negative Space ist wirklich das Geheimnis aller Einrichtungen, bei denen wir uns wohlfühlen und uns fragen: „Warum“? Vasen, Bilder, Lampen wirken wie Kunstwerke und gewollt inszeniert, statt zufällig hingestellt. Der freie Raum zwischen den Gegenständen sorgt für Ruhe, Klarheit und Balance im Gesamtbild und das liebt das menschliche Auge.

Durch einen gezielten Verzicht auf Überladen und Vollstellen, schaffen wir automatisch ein wohliges Ambiente, in dem jeder Einrichtungsgegenstand zur Geltung kommt. Aber diesen Einrichtungstrick lernt man nicht über Nacht, man kann ihn jedoch üben. Mit der Zeit wird man immer mehr mit geschultem Blick durch die Wohnung gehen und die Gegenstände anders arrangieren.

Es ist zum Beispiel besser drei Vasen nah beieinander aufzustellen und dann Platz zu lassen, als alle drei verteilt mit Abstand. So kann man immer wieder üben, was die Magie des Negative Space auslöst und was nicht.



Hintergrundwissen zum Negative Space

Natürlich spielt der Negative Space nicht nur in der Welt der Einrichtung eine Rolle, sondern auch in Kunst und Design. Und er spielt die gleiche Rolle wie die Pausen in der Musik und die sind einfach entscheidend. Der Leerraum in der Kunst sorgt für eine ausgewogene und ansprechende Komposition.

Er lenkt die Aufmerksamkeit auf das zentrale Motiv eines Kunstwerks, Fotos oder Designs. Weltbekannte Künstler wie Henri Matisse oder Katsushika Hokusai haben sich dieses Konzept zunutze gemacht, um ihren Werken Tiefe und Klarheit zu verleihen.


Heute liebt man Klarheit und Struktur in der Einrichtung. (Bild: Pixel-Shot – shutterstock.com)

Auch im modernen Grafikdesign ist Negative Space von grosser Bedeutung! Bekannte Logos wie das von FedEx oder das WWF-Logo nutzen den leeren Raum geschickt, um versteckte Botschaften zu vermitteln.

Der berühmte Pfeil im FedEx-Logo, der im Negativraum zwischen den Buchstaben „E“ und „X“ zu sehen ist, ist ein perfektes Beispiel dafür, wie subtil und effektiv Negative Space in der Markenkommunikation eingesetzt werden kann.

In einer Welt, in der visuelle Reize allgegenwärtig sind, schafft der bewusste Einsatz von Leeraum eine Pause für das Auge. Diese „Ruhe“ hilft dem Betrachter, das Design oder Kunstwerk besser zu erfassen und nicht von überladenen Details überwältigt zu werden.

Zudem unterstützt Negative Space die Lesbarkeit von Texten und macht Webseiten oder Printmaterialien übersichtlicher.
Negative Space ist ein kraftvolles Werkzeug, das die Ästhetik und die Bedeutung eines Kunstwerks oder Designs verbessern kann.

 

Titelbild: Laci_10 – shutterstock.com

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