Vor 100 Jahren löste Art déco den Jugendstil ab

22.01.2016 |  Von  |  Allgemein
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Vor 100 Jahren löste Art déco den Jugendstil ab
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In der Epoche des Jugendstil brachten schlanke, blumige Ornamente Eleganz in Malerei, Architektur und Möbeldesign der Jahrhundertwende. Demgegenüber zeichnet sich die Phase des Art déco durch klare und schlichte Formensprache aus.

Entstanden ist diese neue Klarheit in Wien. Dort gründeten Koloman Moser und Josef Hoffmann (Mitglieder der Secession, also des österreichischen Jugendstils) bereits 1903 die so genannten Wiener Werkstätten. Mit ihrem klaren Design lösten sie nach dem Ersten Weltkrieg den Jugendstil ab.

Der Name „Art déco“ stammt von der Pariser Kunstgewerbeausstellung 1925 („Exposition internationale des Arts décoratifs et industriels modernes“), wo es um das Design von Gebrauchsgegenständen ging, wie zum Beispiel mondäne Autos oder elegante Damenmode. Etabliert wurde die Ausstellung von einer Initiative französischer Künstler, die 1901 die „Société des artistes décorateurs“ gegründet hatten. In Paris entwickelte sich der Art déco Stil zu seiner Hochphase mit Einflüssen von Futurismus und Funktionalismus, den Farben von Matisse sowie den kubistischen Formen Barockes und Picassos.

Art déco beeinflusste die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen mit eleganten, klaren Linien und häufig mit geometrischen Dekoren. Man legte grossen Wert auf das Kunsthandwerk, auf erstklassige Verarbeitung und raffinierte Materialien. Neue Werkstoffe wie Bakelit und Stahl kommen in der Bewegung des Art déco erstmals in grossen Produktionen zum Einsatz.


Plakat der Ausstellung „Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes“, 1925 (Bild: Elee46, Wikimedia, CC)

Plakat der Ausstellung „Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes“, 1925 (Bild: Elee46, Wikimedia, CC)


Objekte mit geometrischer Struktur

Ein sofort erkennbares, allen Art déco-Gegenständen gemeinsames Stilmerkmal gibt es nicht – vielmehr handelt es sich um eine künstlerische Symbiose von Form, Material, Farben und Sinnlichkeit. Die meisten Objekte haben eine geometrische Struktur, gemischt mit anderen, zum Beispiel floralen Elementen. Die aus dem Jugendstil bekannten floralen und organischen Ornamente werden nun ohne Schatten und weniger natürlich dargestellt und sind daher plakativer.

In der Möbelkunst steht Art déco für besondere, ungewöhnliche und teure Materialien. Hier zählen Émile-Jacques Ruhlmann, Eileen Gray und Pierre Wegrain zu den Vorreitern des Möbeldesigns, Tamara de Lempicka war eine der bekanntesten Malerinnen dieser Ära. Die Teppichkunst wurde von Sonia Delaunay beeinflusst. Jean Puiforcat und Jean Fouquet prägten die Silberschmiedekunst, während Lalique und Maurice Marinot einen bedeutenden Einfluss auf die Glaskunst ausübten.



Der Einfluss von Art déco auf die Moderne

Die französische Stadt Reims wurde nach dem Ersten Weltkrieg komplett im Art déco Stil wieder aufgebaut, genauso wie Napier in Neuseeland nach einem Erdbeben im Jahre 1931. Ein bis heute sehr beliebtes Art déco Viertel ist das von Miami Beach mit seinen pastellfarbenen Hotels. Auch die Brüsseler Architektur wurde nach einer beeindruckenden Jugendstil-Ära ab den 20er Jahren sehr vom Art déco geprägt. Weniger bekannt ist Bandung, die Hauptstadt West-Javas, wo sich bis heute Neubauten am Art déco Stil der alten Gebäude orientieren.

Auch in der heutigen Möbelindustrie finden sich immer wieder Verweise auf das Art déco und die Zeit der Goldenen Zwanziger. Nachdem eine Neuverfilmung von „The Great Gatsby“ im Kino zu sehen war, ist der Retro-Trend sehr angesagt.

Doch junge Leute investieren weniger in Marmorböden und antike Palisanderschränke – hier sind kleine Details und Accessoires im Art Déco Stil gefragt: Einrichtungsgegenstände in Beige, Smaragdgrün und Tiefblau oder Pastellfarben, oft mit einem Hauch Gold. Auch Lampenschirme oder Teppiche sind heute wieder im Retro-Stil erhältlich.

 

Artikel von: livingpress.de
Artikelbild: © Alavoine, Brooklyn Museum, Wikimedia

Über Samuel Nies

Als gelernter Informatikkaufmann war für mich schon schnell klar, dass die Administration von verschiedenen Systemen zu meinem Gebiet werden sollte. Um aber auch einen kreativen Anteil in meinen Arbeitsalltag zu integrieren, verschlug es mich in die Welt des Web Content Management.



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