Antikes Mobiliar: Wenn der Zahn der Zeit an alten Erbstücken nagt

15.11.2014 |  Von  |  Allgemein
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Antikes Mobiliar: Wenn der Zahn der Zeit an alten Erbstücken nagt
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Wirklich alte Möbel sind viel zu schade, um sie zu Kleinholz zu verarbeiten. Die Relikte vergangener Zeiten erzählen Geschichten, besitzen Charme und Stil und eine gewisse Patina, die nicht wegpoliert werden kann. Als antik gelten Möbelstücke, die mindestens 100 Jahre alt sind. Doch wer hilft, wenn das Erbstück der Grossmama in die Jahre gekommen ist und Risse, Wurmstiche und Wasserflecken aufweist?

Möbelrestauratoren erhalten einzigartige und unwiederbringliche Werte und verhelfen alten Möbeln zu neuem Glanz. Durch eine fachgerechte Möbelrestauration wird versucht, den historischen Charme des Möbelstücks, die sogenannte Patina, und damit seinen Wert zu erhalten oder gar zu steigern. Das gelingt durch respektvolle und zurückhaltende Arbeitsweise unter Anwendung alter, fast vergessener Techniken des Möbelhandwerks und hat natürlich seinen Preis. Ein Restaurator kann mit einem Kunsthandwerker verglichen werden. Er wird jedes Werkstück als ganz persönliches Gesellenstück betrachten.



Zurück in die Zukunft – antike Möbel als Wertanlage

Nicht umsonst reisen Antikhändler und Trödler kreuz und quer durchs Land und versprechen (bevorzugt in ländlichen Gebieten) kostenlose Entrümpelungen und Dachbodenräumungen. In Wahrheit sind sie auf der Suche nach dem Fund ihres Lebens, denn so mancher Schatz verbirgt sich verstaubt und zugestellt auf alten Speichern. Die Besitzer haben oft gar keine Ahnung, welchen Wert ein alter Schrank haben kann.

Antike Möbel werden immer begehrter, die Erbstücke der Grosseltern immer seltener. Wer sich ein echt altes und gut erhaltenes Möbelstück nicht leisten kann, weicht auf die Stilrichtung Chabby Chic aus, die Altes und Gebrauchtes mit Neuem kombiniert, beziehungsweise bei dem neue Möbel auf alt getrimmt sind. Doch dieser neue Möbeltrend hat seine Tücken – er ist ebenfalls nicht billig. Wie überall bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Ebenso verhält es sich mit antiken Möbeln: Je weniger es davon gibt, umso teurer sind sie im Einkauf.

Altes aufmöbeln: Wer hat, der hat, wer kann, der kann



Einige Menschen kombinieren gern modernes Mobiliar mit antiken Einzelstücken. Für besser betuchte Leute mit genügend Wohnraum sind antike Möbel wertvolle Sammelobjekte. So, wie der Millionär von nebenan teure Gemälde an die Wand hängt und die besonders seltenen Kunstwerke in den Tresor legt, möchte er seinen Salon, seine Bibliothek oder das Entree mit edlen Möbeln aus verschiedenen Epochen bestücken. Genügend Platz hat er ja in einer seiner vielen Villen. So das Klischee.

Tatsächlich sind komplett mit Antiquitäten eingerichtete Räume eher selten, denn sie wirken unmodern, verstaubt und überladen. Selbst ausgezeichnete historische Hotels, die auf ein wertvolles, der jeweiligen Zeit entsprechendes Interieur Wert legen, nutzen nur Einzelstücke als Blickfang und kombinieren ansonsten alte Möbel wie zum Beispiel eine Kommode, passende Stühle oder einen Kleiderschrank mit modernen, neu gefertigten Möbelstücken. Hierbei wird beobachtet, dass der Trend wieder zu natürlichen Werkstoffen und edlen Hölzern geht, die hervorragend mit den alten Stücken harmonieren.

Ausserdem wissen Experten, dass die Nachkriegsgenerationen das Vermögen ihrer Eltern und die oft schwächelnden Betriebe erhalten wollen. Lange Zeit als Wertanlage geltende antike Möbelstücke werden neu bewertet. Die Nachkommen behalten oft nur ein, zwei besonders schöne Erinnerungsstücke in ihren ansonsten modern und geradlinig ausgestatteten Wohnräumen. Der Rest wird verkauft. Angeblich ist der Marktwert wertvoller Sammlerstücke spektakulär gefallen und der Antikmarkt übersättigt, so dass echte Schnäppchen möglich wären. Klingt wie ein Verkaufstrick der Antiquitätenhändler, um den Markt zu beleben.





Für eine fachliche Begutachtung, wenden Sie sich an einen seriösen Restaurator. (Bild: Pedrosala / Shutterstock.com)

Für eine fachliche Begutachtung, wenden Sie sich an einen seriösen Restaurator. (Bild: Pedrosala / Shutterstock.com)




Unsachgemässe Restaurierung macht alte Möbel wertlos

Die Münchner Kunsthistorikerin Ingrid Petersen begutachtet seit Jahren im deutschsprachigen Raum den Wert alter Möbel und weiss, dass sich nur mit guter Qualität gute Preise erzielen lassen. Und mit Originalen. Der Antiquitäten-Boom der 1970er-Jahre hat viele Fälschungen und schlecht restaurierte Stücke in Umlauf gebracht, die auf den ersten Blick schön aussehen, auf den zweiten Blick als Wertanlage jedoch völlig ungeeignet sind. Unsachgemässe Reparaturen und die Verwendung moderner Lacke, Wachse und Leime verwandeln eine wertvolle Antiquität in einen hübschen, aber wertlosen Holzklotz. Wer über eine gut gefüllte Geldbörse verfügt, sollte sich deshalb auf Fachmessen für Kunst und Antiquitäten umsehen, bei denen die Verkäufer auf Herz und Nieren geprüft werden.

Als eine der bekanntesten und traditionsreichsten Kunst- und Antiquitätenmessen der Schweiz gilt die Fine Art Zürich, die jedes Jahr im Herbst stattfindet. Doch von Mal zu Mal wird die Ausstellungsfläche kleiner, die Anbieter und Stände werden weniger. Das ist eigentlich ein Zeichen, dass der Antiquitätenmarkt keineswegs „übersättigt“ ist. Die Qualitätsansprüche seien gestiegen, argumentieren die Veranstalter, und viele Händler verkaufen ihre Antikware übers Internet. Dann sind die Käufer jedoch nicht geschützt und können unter Umständen viel Geld für wertlosen Tand ausgeben. Wem es nicht auf die Wertanlage, sondern nur auf eine hübsch aussehende Einrichtung ankommt, der wäre auf einem Flohmarkt besser aufgehoben.

Wer wissen will, was die alten Erbstücke in seinem Besitz tatsächlich wert sind und ob sich eine aufwendige und teure Restauration lohnt, wendet sich an einen seriösen Restaurator. Ein fachliche Begutachtung mit Expertise kostet etwa 120 Schweizer Franken – allerdings auch, wenn das vermeintlich antike Möbelstück selbst nur 120 Franken wert ist. Die Adressen finden Sie im Netz. Fragen kostet nichts.



 

Oberstes Bild: © Andrea Y. Fraser – Shutterstock.com

Über Claudia Göpel

Als gelernte Zahntechnikerin schreibe ich exzellent recherchierte Texte rund um die Themen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Geriatrie und Gesundheit.
Sie profitieren mit mir als Auftragstexterin zudem von einem reichen Erfahrungsschatz in den Berufsbereichen Gastronomie, Kultur und Recht. Blog- und Fachartikel über Kinder, Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische, Reptilien, Kleinsäuger, Vogelspinnen), Pflanzen, Mode, Möbel und Denkmalschutz schreibe ich ebenfalls mit Begeisterung und reichlich Hintergrundwissen.
Zum Ausgleich verfasse ich in meiner Freizeit Kriminalstorys sowie erotische Kurzgeschichten, die unter dem Pseudonym Anastasia in zahlreichen Büchern und Erotik-Magazinen veröffentlicht sind. Ausserdem bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich als Klinikclown für kranke Kinder in deutschen Krankenhäusern und Hospizen aktiv.


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