Aus neu mach alt: Shabby Chic

10.11.2014 |  Von  |  Accessoires, Allgemein
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Aus neu mach alt: Shabby Chic
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Die Welt ist absurd. Löcher in der Hose zu tragen war früher ein Hinweis auf Armut oder Gesellschaftskritik. Heute zahlen wir für kunstvoll ausgefranste und zerrissene neue Kleidung viel Geld und fühlen uns in dem Used Look auf der Höhe der Mode. Der zeitgemässe Innenarchitekt platziert neben glatte Designerflächen Gerätschaften und Möbel, die unsere Grosseltern als Gerümpel bezeichnet hätten. Wir nennen es: Vintage-Möbel und Shabby Chic. Und fühlen uns richtig wohl in dem Stilmix unserer Wohnung. Und das vielleicht noch nicht mal zu Unrecht.

70 % aller Möbel, die mit der Patina der Vergänglichkeit daherkommen, sind Fälschungen. Fakes. Oder, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, liebevoll und mit viel Kunst gealterte Schmuckstücke. Für ein neues Vintage-Möbel zahlen Sie den Neupreis plus die Arbeitsstunden, die es kostete, es nicht mehr als neu erscheinen zu lassen. „Kann ich so etwas nicht selbst machen?“, fragen Sie sich zu Recht. Sie können. Hier ein paar Hinweise.



Warum wir das Alte lieben

Hat eine Designerküche eine Seele? Hat ein Computer, hat ein Smartphone eine Seele? Bei Letzterem könnte man die Frage bejahen: Es besitzt die Seele seines Benutzers. Aber Spass beiseite – das echte Leben steckt in den gebrauchten Dingen, in Gegenständen und Möbeln mit Vergangenheit. Wir wollen uns mit Objekten umgeben, die eine Geschichte zu erzählen haben. Die Formen alter Stühle oder Accessoires und ihre Gebrauchsspuren wecken Assoziationen, sie knüpfen an unsere eigene Geschichte an. Die Welt ist schon glatt genug. Darum lieben wir den Shabby Chic.

Die Vorbereitung

Antiquitäten mit modernen Möbeln zu kombinieren stellt einen bereits seit Langem gepflegten Einrichtungsstil dar. Der Shabby-Chic-Fan geht aber noch einen Schritt weiter – während der Antiquitäten-Liebhaber Wert auf Authentizität und besten Erhaltungszustand eines alten Einrichtungsgegenstandes legt, freut sich der Shabby-Anhänger über massive Gebrauchsspuren oder stellt diese sogar selbst her.



Dabei muss natürlich alles in einem angemessenen Verhältnis stehen. Nicht nur einen gut erhaltenen Louis-Seize-Stuhl werden Sie nicht mit der Drahtbürste behandeln wollen – auch bei Designer-Möbelstücken aus den 60er- und 70er-Jahren könnten Sie durch Alterungsmanipulationen viel Geld zerstören. Fragen Sie also im Zweifel einen Fachmann, bevor Sie auf das alte Schätzchen losgehen.

Alt kaufen oder alt machen

Shabby Chic funktioniert nur auf Vollholz. Sie können also neue Vollholzmöbel künstlich altern lassen oder original alten Möbeln durch ein paar Manipulationen den richtigen Touch verleihen. Die letztere Variante bringt meist die besseren Ergebnisse hervor, weil das originale Design der Zeit präsentiert wird. Machen Sie vor der Shabby-Behandlung die Holzwurm-Probe: Das Möbelstück wird auf eine Papierunterlage gestellt – wenn sich im Verlauf der nächsten Tag unter dem Möbelstück feines Holzmehl sammelt, haben Sie es mit einem arbeitenden Holzwurm zu tun. Kaufen Sie sich im Fachhandel Holzwurm-Tod und streichen Sie das Möbelstück damit ein.

Farbe entfernen

Zwei Glücksfälle gibt es: Entweder Ihr Werkstück ist aus unbehandeltem Vollholz; oder Ihnen gefällt die Farbe, mit der es lackiert ist. In vielen Fällen müssen alte Lackschichten aber ganz herunter. Sie können sie abbeizen, also chemisch reinigen. Das riecht unangenehm und ist ungesund. Zweitens ist das Abziehen mit einem Furnierhobel möglich. Oder Sie können – meistens die beste Variante – mit elektrischen Schleifgeräten Zeit und Nerven sparen – setzen Sie aber auf jeden Fall gegen den Staub eine Atemschutzmaske auf.

Shabby Chic mit Farbtopf und Schleifpapier



Shabby Chic ist, von den Vorbereitungen abgesehen, leicht herzustellen. Sie brauchen Lackfarbe in Weiss oder in unaufdringlichen Pastelltönen. Wenn Sie die Oberfläche des Möbels in ihrer vollen Struktur und Maserung durchscheinen lassen wollen, müssen Sie eine Lasur benutzen. Aber Vorsicht: Wenn Vollhölzer wie zum Beispiel Teak geölt worden sind, werden Lasuren und Lacke abgewiesen.

Nehmen Sie sich einen Pinsel und Ihre Pastellfarbe. Normalerweise gilt der Satz: Malerarbeiten sind kein Spass. Für den Shabby Chic aber brauchen Sie weder Akkuratesse noch ein Farbsprühsystem. Tragen Sie mit breiten, groben Pinselstrichen auf und dulden Sie Unregelmässigkeiten. Einem guten Handwerker, der sich zur Perfektion erzogen hat, fällt so etwas gar nicht leicht.

Die Patina



Wenn der matte Pastell-Lack getrocknet ist, kommt das Schmirgelpapier zum Einsatz. Besonders an den Kanten befinden sich an echten alten Möbeln Abriebstellen oder kleine Beschädigungen, die Sie mit dem Schleifpapier nachahmen können. Gröbere Abblätterungen können auch mit der Drahtbürste imitiert werden. Ganz Mutige nehmen Schraubendreher oder anderes Stechwerkzeug zur Hand und spielen den Zahn der Zeit. Oder versuchen Sie es mit Krakelierlack, einem Spezialüberzug, der als Zwischenschicht die Oberfarbe reissen und die Unterfarbe hervorblicken lässt. Sieht nach altem Ölbild aus.

Techniken oder Flohmarkt

Shabby Chic bringt eine neue Kreativitätswelle hervor. Früher kursierte der Witz vom unseriösen Antiquitätenhändler, der seine Möbelstücke mit Schrot beschiesst, um sie holzwurmdurchstochener wirken zu lassen. Heute werden in der Gemeinde viele Rezepte für die Fahrt in der Zeitmaschine nach rückwärts getauscht. Zum Beispiel, wie man alte Metallregale oder andere Accessoires mittels Chemikalien rosten lässt. Sie können es sich auch einfacher machen, indem sie regelmässig stattfindende Flohmärkte besuchen. Ein Trödelmarkt ist Sammlerleidenschaft und Jagd zugleich. Und ein riesiger Fundus von Shabby Chic.




 

Oberstes Bild: © kuleczka – Shutterstock.com


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