Die Biennale 2014 in Venedig – auch die Schweiz ist mit einem Pavillon vertreten

20.05.2014 |  Von  |  Allgemein
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Die Biennale 2014 in Venedig – auch die Schweiz ist mit einem Pavillon vertreten
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Die Biennale in Venedig dürfte Kunst- und Designliebhabern allgemein bekannt sein. Die alle zwei Jahre stattfindende Ausstellung gehört zu den bedeutendsten und grössten ihrer Art weltweit und spielt sozusagen in der Champions League der Kunstszene.

Weniger bekannt ist vielleicht, dass im Rahmen der Biennale auch die jeweils zeitgenössische Architektur ihren Platz findet, allerdings alternierend zu den Festivals von Film, Musik, Tanz und Theater. Wenn Sie sich jetzt fragen, was die Biennale auf der Seite möbeltipps.ch zu suchen hat, ganz einfach: Architektur gibt den Raum für Möbel vor – oder stellen Sie Ihr Sofa am liebsten in den Wald?



28 Länder präsentieren ihre Pavillons in den Giardini (Gärten) im Stadtteil Castello, darunter auch die Schweiz. Viele andere Staaten, die über keine eigenen Pavillons verfügen, mieten Räumlichkeiten im gesamten Stadtgebiet, um ihre Kunst zu zeigen. Die diesjährige Architektur-Biennale wird am 7. Juni eröffnet und dauert bis zum 23. November. Als Leiter der Ausstellung ist der bekannte niederländische Architekt Rem Koolhaas nominiert worden.

Sein Thema lautet schlicht „Fundamentals“. Koolhaas hat explizit verkündet, dass es ihm bei der Architektur-Biennale unter seiner Führung allein um Architektur gehen wird, nicht um Architekten. Vielmehr steht die Konzentration auf die Elemente im Vordergrund – Türen, Fenster, Decken, Böden – und die Geschichte der Baukunst, unabhängig von Zeit und Ort. Es sollen die Grundlagen der zeitgenössischen Architektur präsentiert und ein Blick in die Zukunft gewagt werden.

Dazu passt, dass es im Zentrum der Giardini, in den Pavillons der einzelnen Länder und im Arsenal Venedigs drei begleitende Veranstaltungen geben wird, die einen Blick zurück werfen auf die letzten einhundert Jahre Architektur der Teilnehmerstaaten und auf das reichhaltige Repertoire der Baukunst in dieser Zeit. Koolhaas ist mit Ziel angetreten, ein neues Verständnis für diese Sichtweise zu schaffen.

Giardini Street Venedig. (Bild: Renata Sedmakova / Shutterstock.com)

Giardini Street Venedig. (Bild: Renata Sedmakova / Shutterstock.com)




Für den Schweizer Pavillon in der Lagunenstadt zeichnet in diesem Jahr der gebürtige Thurgauer Ausstellungsmacher Hans-Ulrich Obrist aus Weinfelden verantwortlich. Er wurde im Juli 2013 von der Biennale-Jury der Kulturstiftung Pro Helvetia ausgewählt, weil er laut Aussage der Leitung Kommunikation bei Pro Helvetia zu den derzeit bedeutendsten Ausstellungsorganisatoren gehört. Obrist hat Politik und Ökonomie studiert, bevor er sich der zeitgenössischen Kunst zuwandte.



Im Zuge dieser Tätigkeit machte er Ausstellungen in Zürich, Paris, New York und Wien. Gegenwärtig arbeitet er hauptberuflich als Co-Direktor für die Londoner Serpentine Galleries, die pro Jahr immerhin rund 750’000 Besucher verzeichnen können. Sabrina Schwarzenbach, die Kommunikationschefin von Pro Helvetia, würdigt Obrist vor allem für seine interdisziplinäre Denkweise.

Er sei nicht nur in der Lage ein Kunstwerk zu gestalten und in den richtigen Kontext zu setzen, sondern darüber hinaus auch Weisheiten für Menschen zu liefern, indem er mit vielen anderen Künstlern diskutiert. Obrist wurde im vergangenen Jahr von einer regionalen Zeitung unter die 100 bekanntesten Thurgauer gewählt und hat im Laufe seiner künstlerischen Karriere eine Vielzahl von Büchern geschrieben. Ausserdem spricht der Schweizer Kurator für Venedig fünf Sprachen fliessend.

Im Zentrum von Obrists Planungen für den Schweizer Pavillon 2014 stehen Lucius Burckhardt (1925-2003) und Cedric Price (1934-2003). Burckhardt war ein Schweizer Nationalökonom und Soziologe, Price ein englischer Architekt, Professor und Autor von zahlreichen Fachbüchern. Der Kurator möchte mit seinem Konzept „zwei Visionäre“ ehren, deren Werk seiner Meinung nach auch im 21. Jahrhundert nachhallt und die Menschen inspiriert. Obrist sieht die Zeichnungen der beiden als Kernstück ihrer Arbeiten und will diese deshalb in den Mittelpunkt der Retrospektiven stellen.

Die Biennale in Venedig findet übrigens bereits seit 1895 im Rhythmus von zwei Jahren statt. Die Initiative dafür geht zurück auf den damaligen Stadtrat. Zu Beginn ging es ausschliesslich um die Präsentation italienischer Kunst, was sich aber schnell änderte. Als Vorbild dienten die Weltausstellungen. Die beiden Weltkriege unterbrachen allerdings den regelmässigen Turnus. Seit der ersten Biennale nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1948 erfolgte eine Hinwendung zur europäischen Avantgarde und weltweiten Strömungen der zeitgenössischen Kunst.

Die Schweiz ist seit 1920 regelmässig bei der Biennale vertreten. Der erste Pavillon des Landes entstand 1951 unter der Leitung des Architekten Bruno Giacometti und wurde 1952 eröffnet. Daneben gab es seit 1932 einen Pavillon von Brenno Del Giudice auf der venezianischen Insel Sant‘ Elena. Die Stiftung Pro Helvetia ist seit 2012 für die Schweizer Beiträge verantwortlich, die jeweils von einer Jury aus Fachleuten ausgewählt werden. Und eine letzte Bemerkung am Rande: Auch der deutsche Pavillon wird 2014 von zwei Schweizern kuratiert.



 

Oberstes Bild: Quelle: labiennale.org

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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