Einer für alles: Philippe Starck

14.10.2014 |  Von  |  Allgemein
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Einer für alles: Philippe Starck
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Eigentlich sollte sich ja jeder auf das beschränken, was er am besten kann. Und so sind auch die meisten Architekten, auch die Stars der Branche wie Norman Foster oder Daniel Libeskind, ausschliesslich als Gestalter von Häusern und Gebäuden im Einsatz. Und Möbeldesigner sind normalerweise auf den Entwurf von Möbeln spezialisiert. Es gibt jedoch wenige Talente, die beides perfekt beherrschen. Eines davon ist der Franzose Philippe Starck.

Und es gibt noch weniger Designtalente, die zusätzlich noch gebrauchsfähige Alltagsgegenstände entwerfen und entwickeln. Von der Zitronenpresse über Badearmaturen bis zu Motorrädern. Philippe Starck beglückt die Welt seit 1970 mit seinen Entwürfen und macht jene dadurch jeden Tag ein bisschen schöner: mit seinen Gebäuden, seinen Haushaltsgegenständen, vor allem aber mit den von ihm entworfenen Möbelstücken.

Wohnungen und Nachtklubs

Mit aufblasbaren Möbeln hatte es angefangen. Nach seinem Studium an der École Camondo in Paris und ersten Versuchen gründete Starck ein Unternehmen für aufblasbare Möbel, mit denen er die „Pop-Art“ ins Wohnzimmer bringen wollte. Mit überschaubarem Erfolg.




Dieser kam jedoch wenig später. Starck erarbeitete sich in Paris rasch den Nimbus des aufgehenden Stars am Innenarchitekturhimmel. Wer „in“ sein wollte, beauftragte ihn mit der Gestaltung der Einrichtung. So auch 1982 der damalige französische Präsident François Mitterrand, dessen Privaträumlichkeiten im Elysée-Palast einer Grundüberholung bedurften. Starck entwarf also die Inneneinrichtung für Wohnungen und Nachtklubs. Obwohl als „Künstler“ anzusehen, hat und hatte er grosses unternehmerisches Talent und gründete 1980 die Firma Starck Productions.




Der Stuhl Costes wird weltbekannt




Ein Auftrag zur Gestaltung eines Cafés war es, der seine Möbel in den 80er-Jahren weltbekannt machte. Von heute auf morgen wurde Starck zum Star unter den Designern. Die Inneneinrichtung des Café Costes in Paris war wegweisend. Die von Starck eigens entworfenen Möbelstücke wurden binnen kurzer Zeit zu Design-Klassikern und werden heute in einem Atemzug mit den Klassikern der Bauhaus-Vertreter und derer Epigonen genannt.




Besonders der für dieses Café gestaltete Stuhl fand und findet grosse Verbreitung. Ein Riesenerfolg nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und Japan. Charakteristisch für den Stuhl Costes sind die gebogene Sitzschale aus Holz, die nach vorne durchgehend abgeschrägte Form und die Tatsache, dass dieses Sitzmöbel auf nur drei Beinen steht.

Drei Sesselbeine für Kellner

Starck begründete die Anzahl der Sesselbeine damit, dass damit ein Bein weniger den Kellnern im Weg stehe und so weniger gestolpert werden könne. Vom Aussehen und seiner Anmutung her ist dieser Stuhl tatsächlich ein „echter Starck“. Formreduziert und elegant, im Stil funktionalistisch, minimalistisch und zugleich repräsentativ. Dabei aber äusserst bequem. Jedoch natürlich nicht dem strengen Funktionalismus verhaftet, sondern vielmehr in einer heterogenen, eklektizistischen Formensprache gehalten. Philipp Starck geht es in seinen Werken niemals um Provokation. Er will vielmehr gefallen. Dadurch, dass seine Produkte meist in hohen Stückzahlen produziert werden, sind sie auch erschwinglich.

Der französische Designer Philipp Starck verwendete organisch-natürliche Formen. (Bild: Anson0618 / Shutterstock.com)

Der französische Designer Philipp Starck verwendete organisch-natürliche Formen. (Bild: Anson0618 / Shutterstock.com)

Organisch-natürliche Formen




Dabei werden von ihm Formen und Linien aus der Natur verwendet, eigentlich ein fernöstlich-japanisches Designprinzip. Und Starck arbeitet selbst wie am Fliessband. In den bisher gut 40 Jahren seines Schaffens hat er inzwischen so gut wie alle Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, von der Zitronenpresse über das Sofa und den Tisch bis zur Sanitäreinrichtung, zu Armaturen und dem in der Garage stehenden Rad und Motorrad, designt. Weder Fahrradhelm noch Gartenstühle sind vor seinen gestalterischen Entwürfen sicher. Ja sogar ein Starck-Fertigteilhaus ist entstanden.

Eine ähnliche Schaffenskraft in allen Bereichen des täglichen Lebens kann eigentlich nur der in den 70er-Jahren weltweit bekannte Designer Luigi Collani aufweisen, der auch vom Kugelschreiber bis zum aerodynamisch geformten LKW und Formel-1-Fahrzeug alles designte. Und meist auch alles ein Stückchen schöner machte.

Sanitäreinrichtung und Armaturen

Äusserst bekannt und beliebt sind die von Starck für das Haus Grohe entworfenen Badarmaturen, genauso wie seine für Duravit erstellten Entwürfe für Badewanne und Sanitäreinrichtung. 1994 eingeführt, werden diese Badezimmereinrichtungen bis heute unverändert hergestellt. Es ist dem Designer gelungen, mit einer modernen, zeitlosen Gestaltung von Badewanne, Toilette und Waschtisch auf die historischen Vorgänger Zuber, Eimer und Waschschale zu verweisen und deren Formen abstrahiert wiederzugeben.

Nahezu alles, was Starck macht, macht er einfach, aber einfach genial. So werden ganze Hotels, Restaurants, Bäder, Kleidung, Multimediageräte und Haushaltsgegenstände in einer reduzierten, sich immer der Natur erinnernden Formensprache stets mit einem Augenzwinkern gestaltet. Die Wurzeln und Ursprünge unserer Existenz werden aufgegriffen und in Form gebracht. Kein Wunder, dass auch zahlreiche von Starck gestaltete Gegenstände bereits den Weg ins Museum of Modern Art in New York gefunden haben.

Von der Zitronenpresse bis zum Motorrad

Wie etwa seine Zitronenpresse Juicy Salif aus einem einteiligen Stück Aluminium. Wunderbar formschön, ein Schmuck für jede Küche. Wenn auch vielleicht nicht von bester Funktion. Die dünnen Alubeinchen drücken sich in die Unterlage und es fehlt ein Trennfang für die Zitronenkerne. Was aber durch das Aussehen mehr als ausgeglichen wird.

Der französische Designstar war aber auch als Gestalter von Motorrädern sehr erfolgreich. Für die italienische Motorenschmiede Aprilia gestaltete er äusserst erfolgreiche Modelle wie etwa die Moto 6,5. Auch hier griff er auf seine organische Formensprache zurück und schuf optisch wunderbar anzusehende, gleichzeitig aber aerodynamisch optimal funktionierende Reitwagen. Philippe Starck ist eben einer jener wenigen, die alles können.

 

Oberstes Bild: © AlexRoz – Shutterstock.com


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