Wandbegrünung: Mit Pflanzen malen

20.10.2014 |  Von  |  Allgemein
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Wandbegrünung: Mit Pflanzen malen
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Wer ein neues Haus einrichtet, steht irgendwann vor den frisch tapezierten oder lasierten Wänden und gesteht sich ein, dass hier irgendetwas fehlt. Die Tapete ist schön, die Lasur gut gelungen – aber die Wände wirken unpersönlich und kahl. Im Normalfall werden wir nun Fotos, Gemälde & Co. stilvoll präsentieren: Wir wählen unsere Lieblingsbilder und -fotos und setzen sie ins richtige Licht. Oder – der aussergewöhnlichere Weg – wir holen uns ein Stück Garten ins Wohnzimmer. Wie das? – Ganz einfach: mit einer Wandbegrünung.

Wandbegrünungen haben etwas Surrealistisches: Inmitten der Wand erstreckt sich ein sattgrüner Teppich von Moosen, Farnen, Kräutern, akzentuiert von rotblühenden Flamingoblumen, ohne dass zu ergründen wäre, woher dieses lebendige Bild sein Substrat und sein Wasser bekäme. Ein ausgeklügeltes Installationssystem macht das grüne Wunder möglich. Dieser Artikel befasst sich mit seinen Grundlagen und zählt die Vorteile auf.

Aussen- und Innenwand

An Aussenwänden ist das Prinzip der Begrünung schnell verstanden: Wer schon mal Wein oder Efeu gepflanzt hat, kennt die Kletterhilfen der Pflanzen, die mit Saugnäpfen oder verholzenden Ranken die Mauer erklimmen. Manche Arten wie die Kiwi sind so wuchskräftig, dass sie innerhalb einer Saison ein halbes Haus umschlingen. Das Prinzip ist klar: Die Pflanzen haben Erde, sie haben Wasser, sie haben Sonne – mehr brauchen diese bescheidenen Lebewesen ja nicht für ihr beeindruckendes Wachstum. Aber wie können wir uns diese Bedingungen in unsere vier Wände holen?

Die Innenwandbegrünung wurde von dem Franzosen Patrick Blanc in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt. Unterwegs in den Nationalparks von Thailand, war er beeindruckt von der Kraft der tropischen Vegetation, die nicht nur den Boden üppig bedeckt, sondern auch die Felswände erobert hat. Zurück in Europa, begann sich Blanc Gedanken darüber zu machen, wie die Bedingungen für grüne Innenwände zu schaffen wären.

Die Installation

Eins vorweg: Die Installation einer grossflächigen Wandbegrünung sollten Sie unbedingt dem Fachmann überlassen. Dieser weiss genau, welches Hängesystem an welcher Wand am besten geeignet ist. Ausserdem kann er die für Licht und Temperatur geeignetsten Pflanzen zusammenstellen. Die fachmännische Installation einer Wandbegrünung macht einen tieferen Griff ins Portemonnaie erforderlich, lohnt sich aber – der Hobby-Wandbegrüner gibt eventuell doppelt Geld aus, wenn er seine Do-it-yourself-Arbeit nach wenigen Wochen unwiderruflich die Köpfe hängen lassen sieht.




Hängesysteme für Wandbegrünungen werden aus Drahtgestellen, Kastenmodulen, Textiltaschen oder aus vorgefertigten Kunststoffplatten hergestellt. Diese Träger werden mit einem geeigneten Substrat gefüllt und sodann bepflanzt. Eine fachmännische Installation der grünen Wand schliesst die Verwendung kräftiger und gesunder vorgezogener Pflanzen ein – denn natürlich ist der horizontale Einsatz in der künstlichen Umgebung eines Innenraums für jede Pflanze Stress.

Dämmschicht und Bewässerung




Es ist leicht vorstellbar, dass zwischen Ihrer Hauswand und dem feuchten Biotop Ihrer grünen Wand Nässeschäden entstehen und Schimmelsporen gedeihen können. Darum ist die Verlegung einer Trennschicht zwischen Pflanz- und Hauswand unabdingbar. Spezielle Kunststoffe halten Feuchtigkeit von der Mauer fern – und zwar so gut, dass für gewöhnlich kein Abstand zur Wand nötig ist.

Selbstverständlich können Sie eine grössere Wandbegrünung nicht mit der Giesskanne wässern. Darum installiert der Fachmann zusammen mit der Wand ein Bewässerungssystem. Es besteht aus einem perforierten Schlauch, der entweder in der obersten Etage der Pflanzenwand liegt oder sich versteckt durch die Pflanzen hindurchschlängelt. Über einen Wasserhahn können Sie dann für die nötige Bewässerung in Ihrem Zimmerbiotop sorgen.

Geeignete Pflanzen

Die Pflanzen müssen, wie bereits erwähnt, genau auf den Wuchsort abgestimmt werden. Auch die Mischung einzelner Pflanzen untereinander erfordert Fachkenntnisse. Es dürfen beispielsweise keine Sorten ins Beet kommen, deren Blätter zu breit und raumfordernd wachsen. Ebenso muss darauf geachtet werden, dass die Pflanzen nicht unterschiedliche Ansprüche an Licht und Nährstoffversorgung haben. Klassiker in der Wandbegrünung sind Farne und Moose sowie Efeu und Kräuter. Mit verschiedenen Zierbrennnessel-Sorten sowie der roten Flamingoblume lassen sich schöne Farbeffekte erzielen. Mit den bunten, geometrisch strukturierten Sukkulenten kann auf kleinerer Fläche regelrecht gemalt werden.




Licht und Dünger

Im Garten würden Sie keine Schatten liebenden Funkien direkt in die Sonne pflanzen. Auf die Lichtbedürfnisse der Pflanzen muss ganz besonders Rücksicht genommen werden, sonst haben Sie an Ihrer Sonnen- oder Schattenwand schnell braune Stellen in Ihrem grünen Wandgemälde. Nährstoffe wachsen im Freien durch den natürlichen Kreislauf nach. Drinnen müssen Sie Ihr Wandbeet übers Giesswasser mit Dünger versorgen. Am besten mischen Sie dem Wasser regelmässig Flüssigdünger bei.

Do it yourself




Eine kleine Bastelaufgabe, um auf den Geschmack zu kommen und vielleicht zur Präparation grösserer Dinge, ist das Sukkulentenbild. Suchen Sie sich einen alten Bilderrahmen, am besten einen schön verschnörkelten. Er kann ruhig etwas ramponiert sein. Alles, was Sie jetzt noch brauchen, sind etwas Maschendraht, Kanthölzer und eine Sperrholzplatte. Dazu Moos, Erde und Sukkulenten. An Werkzeug eine Säge, einen Seitenschneider, Akkuschrauber, Schrauben oder Hammer und Nägel.




Der Maschendraht wird mit den Kanthölzern auf der Rückseite des Rahmens befestigt. Dann kommt Moos auf die Drahtrückseite und auf das Moos Sukkulentenerde. Das Ganze wird mit einer Holzplatte verschlossen. Jetzt drehen Sie den Rahmen um und pflanzen eine bunte Mischung Sukkulenten in das Rahmenbeet. Fertig! Sie haben Ihr erstes Pflanzenbild gemalt.

 

Oberstes Bild: © scenery2 – Shutterstock.com


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